ÜBER DAS GEHEIMNIS DES GLAUBENS
Was ist der wahre Glaube?
Der wahre Glaube ist der Glaube an den einen Gott in der heiligen Dreifaltigkeit, an den Schöpfer des Himmels und der Erde und den Schöpfer von allem Sichtbaren und allem Unsichtbaren. Gott ist ein Wesen ohne Anfang und ohne Ende. Er ist ein Geist, den man nicht sehen kann, aber er ist überall anwesend; er sieht alles, er weiß alles, er kann alles und er kümmert sich um alles. Gott ist voller Liebe für alle Menschen und für alle Geschöpfe.
Wer ist Gott?
Der wahre Glaube, der orthodoxe Glaube, entdeckt uns das wahre Geheimnis und teilt uns mit, dass Gott nicht nur einer ist, sondern auch, dass er dreifaltig ist. Gott ist die heilige Dreifaltigkeit: Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist. Das sind nicht drei Götter, sondern nur einer, denn die drei göttlichen Personen haben das gleiche Wesen sowie eine Liebe, eine Klugheit, ein Leben und den ganzen unermesslichen Reichtum an ewigen göttlichen Kräften und Energien. Im Namen dieses einen Gottes werden wir getauft.
Diesen einen Glauben an den einen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, bekennen wir jedes Mal, wenn wir uns unter das Zeichen des ehrenvollen heiligen Kreuzes stellen. Wenn wir uns bekreuzigen, legen wir drei Finger der rechten Hand zusammen, um zu betonen, dass die untrennbare heilige Dreifaltigkeit ein Gott.
Was ist Gott?
Gott ist die Liebe. Er ist die uneigennützige Liebe. Noch vor der Schöpfung der Welt war Gott der Vater nicht allein, sondern er liebte den Sohn und den Heiligen Geist. Das heißt, dass Gott eine in der Ewigkeit bestehende Liebe ist und nicht nur eine Liebe, die in der Zeit existiert.
Die heilige Dreifaltigkeit dient uns als Beispiel dafür, dass auch wir Menschen, die wir geschaffene Wesen und von Nationalität und Ausbildung sehr unterschiedlich sind, mit Hilfe der göttlichen Liebe ein gottmenschlicher Leib - das heißt, die Kirche - werden können, ohne dass wir in dieser Gemeinschaft die besonderen Eigenschaften jeder einzelnen Persönlichkeit verlieren.
Die heilige Dreifaltigkeit dient uns als Beispiel dafür, dass auch wir Menschen, die wir geschaffene Wesen und von Nationalität und Ausbildung sehr unterschiedlich sind, mit Hilfe der göttlichen Liebe ein gottmenschlicher Leib - das heißt, die Kirche - werden können, ohne dass wir in dieser Gemeinschaft die besonderen Eigenschaften jeder einzelnen Persönlichkeit verlieren.
Wer ist der Mensch?
Der Mensch ist das Schmuckstück aller göttlichen Geschöpfe. Gott hat ihn mit seinem Ebenbild begnadet und hat ihm die Macht des ewigen Lebens geschenkt. Er hat ihn aus einer vernunftvollen Seele und einem wunderschönen Körper geschaffen, damit der Körper der vernunftvollen Seele dienen kann und damit beide ein Tempel der lebensschöpfenden Dreifaltigkeit werden können. So wie Gott nicht allein ist, ist auch der Mensch nicht allein, sondern er hat eine Vielzahl von Brüdern und Schwestern, sowohl im Himmel als auch auf der Erde.
Wer sind die himmlischen Brüder und Schwestern des Menschen?
In diesem sichtbaren Himmel gibt es die Sonne und den Mond sowie unzählige Sterne, die geheimnisvoll leuchten und mit ihrer lautlosen Sprache bezeugen, dass Gott wirklich das Licht, die Liebe und die Schönheit ist. Jedoch gibt es auch einen anderen Himmel, den unsichtbaren Himmel. Diesen Himmel können nur jene Menschen sehen, die mit hellsichtigem Verstand und reinem Herzen begnadet sind. Genau so können sie Gott sehen, ihren Schöpfer, der in diesem Himmel weilt. Dieser unsichtbare Himmel ist seinem Wesen nach geistig; das sind die himmlischen Brüder und Schwestern des Menschen, die Seraphim und die Cherubim, die Erzengel und die Engel sowie alle anderen unkörperlichen himmlischen Kräfte. Diese unkörperlichen himmlischen Kräfte sind voll von göttlicher Liebe und Licht, sie feiern Gott ununterbrochen und teilen den Menschen den göttlichen Willen mit.
Wer sind die irdischen Brüder und Schwestern des Menschen?
Alle Menschen sind die irdischen Brüder und Schwestern des Menschen. Alle Menschen sind einander Geschwister, da sie einen Vater haben, den Schöpfer aller Geschöpfe. Sie sind auch deshalb Geschwister, weil sie eine gemeinsame menschliche Natur haben und dieselben Urahnen, Adam und Eva. Der Mensch befindet sich auch in Verwandtschaft mit allen anderen Geschöpfen, von den kleinsten bis zu den größten, vom Atom bis zu den Sternen. Denn auf allem Bestehenden ist das gleiche Siegel der göttlichen schöpferischen Kraft und der göttlichen Herrlichkeit anwesend. Alles zeugt von der gleichen göttlichen Weisheit. Gott umgibt uns mit seiner ewigen Liebe, alle Geschöpfe, die sichtbaren wie die unsichtbaren. Alles, was existiert, strahlt Liebe aus und ermuntert uns zur Liebe.
Was ist die Offenbarung Gottes?
Die Offenbarung ist alles, wodurch sich Gott seit je her mitgeteilt hat und wodurch er den Menschen seine unaussprechlichen Geheimnisse und seinen Willen offenbarte. Die ganze Schöpfung ist die Offenbarung Gottes; alle Geschöpfe zeugen von der Herrlichkeit und der Macht Gottes und offenbaren sie, natürlich nur denjenigen, deren Verstand nicht verfinstert ist und deren Herz nicht unrein ist. Insbesondere hatte Gott seine Liebe und seinen heiligen Willen durch die heiligen Erzengel und Engel und durch die von Gott inspirierten (erleuchteten) heiligen Menschen offenbart: durch die Propheten, die Apostel und die Heiligen. Und schließlich durch seinen Sohn, den Eingeborenen, Christus den Herrn.
Was ist die Bibel oder die Heilige Schrift?
Die Bibel oder die Heilige Schrift ist das Buch, das über allen Büchern steht. Das sind die Heiligen Schriften, die von den von Gott inspirierten, erleuchteten göttlichen Menschen niedergeschrieben worden sind. Es sind die Schriften, in denen sie die Wahrheiten und die Geheimnisse niedergeschrieben haben, die Gott den Menschen geoffenbart hat. Die Heilige Schrift ist die niedergeschriebene Offenbarung Gottes. Sie besteht aus zwei Teilen, aus dem Alten Testament und aus dem Neuen Testament.
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DIE OFFENBARUNG IM ALTEN TESTAMENT
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DIE OFFENBARUNG IM ALTEN TESTAMENT
Was ist das Alte Testament?
Das Alte Testament ist der Bund Gottes mit den Menschen, der über den von Gott auserwählten Patriarchen Abraham und über seine von Gott auserwählten Nachkommen geschlossen wurde. In der Heiligen Schrift des Alten Testaments, in diesen heiligen Büchern, werden die Ereignisse beschrieben, die sich seit der Schöpfung der Welt ereignet haben bis zur Geburt desjenigen, durch den und wegen dessen die Welt geschaffen wurde; seinetwegen hat sich alles ereignet: der Herr Jesus Christus.
Was ist das Neue Testament?
Das Neue Testament ist der Bund des Gottmenschen Jesus Christus mit den Menschen. Alle Ereignisse und alle Rätsel des Alten Testaments haben im Neuen Testament ihre Entschlüsselung und ihre Erfüllung bekommen. In der Heiligen Schrift des Neuen Testaments, in diesen heiligen Büchern, haben die Augenzeugen die Ereignisse beschrieben, die sich seit der Geburt des Herrn Jesus Christus bis zu seiner ruhmreichen Auferstehung von den Toten und bis zu seiner Himmelfahrt ereignet haben. Dort ist auch das Herabkommen des Heiligen Geistes auf die ersten Jünger Christi beschrieben sowie die Verbreitung seines heiligen Namens und der göttlichen Lehre. In diesen Heiligen Schriften wird auch auf alles hingewiesen, was bis zur zweiten Ankunft Christi und bis zum Jüngsten Tag geschehen wird.
Wie fängt das Alte Testament an?
Das Alte Testament fängt mit der Beschreibung der Schöpfung der Welt an: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde". Unter dem Begriff "Himmer sind die Einwohner des Himmels zu verstehen - die Engel und alle anderen unkörperlichen himmlischen Kräfte. "Und die Erde war wüst und leer", das bedeutet die ganze geschaffene materielle Welt.
Was hat Gott in sechs Tagen geschaffen?
Am ersten Tag wurde das Licht geschaffen: "Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis ". Dieser Tag ist der Tag eins: ihm entspringen alle Tage, und zu ihm kommen alle zurück.
Am zweiten Tag hat Gott das Gewölbe des Himmels geschaffen und das Wasser unter dem Gewölbe von dem Wasser über dem Gewölbe geschieden. Und das Gewölbe hat Gott Himmel genannt. Das ist jener für uns sichtbare Himmel. Jenseits davon befinden sich unzählige göttliche Welten, symbolisch "Wasser über dem Gewölbe" genannt, weil sie harmonisch und ohne Zusammenstöße durch den ganzen unendlichen Raum kreisen, jede von ihnen in ihrer eigenen Bahn.
Am dritten Tag wurde durch die Kraft des göttlichen Wortes das Wasser vom Land geschieden. Auf der Erde begannen das Gras und verschiedene fruchttragende Bäume zu wachsen. Durch die Kraft des göttlichen Wortes trägt dieser einmal gesäte Samen immer Frucht, dank dem Segen und dem Befehl Gottes.
Am vierten Tag hat Gott Lichter am Gewölbe des Himmels geschaffen: die Sonne, damit sie den Tag regiert, und den Mond, damit er die Nacht regiert, und auch die Sterne, damit sie scheinen und damit sie Zeichen der Zeit, der Tage und der Jahre werden. Das erstgeschaffene Licht, das über die ganze Schöpfung zerstreut war, versammelte sich und begann an diesem Tag mit einem besonderen Glanz zu scheinen, der von den himmlischen Lichtern kommt. Die Sonne beleuchtete die Erde, die bis dahin von dichten Nebeln und Feuchtigkeit umhüllt war.
Am fünften Tag hat Gott lebendiges Getier im Wasser geschaffen, die Fische und andere große und kleine Geschöpfe sowie himmlische Vögel, einen jeden nach seiner Art.
Am sechsten Tag hat Gott das Vieh, die kleinen Tiere und die irdischen wilden Tiere geschaffen, ein jedes nach seiner Art.
Zum Schluss hat Gott gesagt: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht." Die allerheiligste Dreifaltigkeit, unser Gott, hat den Menschen aus dem Staub der Erde geschaffen und ihm den Odem des Lebens eingehaucht. Zuerst hat Gott Adam geschaffen und dann eine Frau für ihn, die "Männin" (Anmerkung: dieser Begriff wird von Martin Luther in seiner Übersetzung der Heiligen Schrift verwendet) Eva, um seine Gehilfin auf dem Wege zum ewigen Ziel ihres Lebens und des Lebens aller Geschöpfe zu sein. Der Mensch und die Menschheit werden zu einem geheimnisvollen Bild, in dem sich die heilige Dreifaltigkeit widerspiegelt: die Menschen wurden geschaffen, um sich gegenseitig zu lieben und einander mit uneigennütziger, göttlicher Liebe zu erfüllen.
Was ist das Paradies, wohin Gott den Menschen hineinführt hat, indem er ihn geschaffen hat?
Das Paradies ist ein Ort der Nähe und der Anwesenheit Gottes, in dem der Mensch zusammen mit dem Schöpfer geweilt hat, begnadet mit allen Gaben und mit der Seligkeit des ewigen Lebens, mit der Güte und mit der Liebe. Der Mensch hat sich im Paradies vom Baum des Lebens genährt.
Was ist der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen?
Den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen hat Gott im Paradies gepflanzt, damit der Mensch die Tugend der Zurückhaltung und die Treue gegenüber seinem Schöpfer üben konnte. Der Baum des Lebens hat dem Menschen das ewige Leben gegeben und die Gabe zur Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Ein Gebot Gottes zu halten bedeutete, sich vom Baum des Lebens zu ernähren; ein Gebot zu übertreten bedeutete, sich von Gott und seinem Willen trennen, das ewige Leben zu verlieren und sich dem Tode zu ergeben. Vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen zu essen verdunkelt die Vernunft, vernichtet im Menschen die Gabe zur Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen, entfremdet ihn von Gott und führt ihn in vergängliche, körperliche Vergnügen und in den Tod hinab. An diesem Baum und an diesem Gebot hätte der Mensch seine Liebe und seine Freiheit überprüfen sollen: ob er Gott treu sein wird oder ob er dem Teufel gehorchen und an seine Lüge glauben wird.
Wer ist der Teufel?
Der Teufel ist der Lügner und der Vater der Lüge. Er ist der ehemalige Erzengel Luzifer, der sich gegen Gott aufgelehnt hatte, weil er selbstsüchtig geworden war und weil er gewünscht hatte, Gott gleich zu werden. Der Teufel hat die Sünde, den Tod und die Hölle erfunden. Sein übler und entarteter Wille ist die Quelle jeglichen Übels, mit dem er einige ehemalige Engel vergiftet hat und danach auch unsere Urahnen Adam und Eva und über sie auch ihre Abkömmlinge.
Wer hat Eva überredet, das Gebot Gottes zu zertreten?
Der Teufel überredete Eva - er bediente sich dabei der Schlange -, verbotene Früchte vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen zu pflücken. Eva hat diesem Gegner Gottes und diesem Verleumder ("Teufel" bedeutet "Verleumder") geglaubt, dass er ihr ein größerer Freund sei als Gott, und sie hat begonnen, sich von der Nahrung der Vergänglichkeit und der körperlichen Vergnügungen zu ernähren. Dadurch, dass sie die Frucht der vergänglichen Vergnügungen gekostet hat, ist sie sterblich geworden. Indem sie diese Frucht ihrem Mann Adam anbot, hat sie die Sünde des Mordes begangen. Jedoch hat auch Adam diese Frucht freiwillig gekostet und die dreifache Sünde begangen: Gott gegenüber, sich selbst gegenüber und seiner Nachkommenschaft gegenüber. Durch den Fall in die Sünde hat der Mensch die Macht des ewigen Lebens verloren; sein Verstand hat sich verdunkelt, sein Herz hat sich verfinstert, und seine Vernunft ist in Unvernunft und Verrücktheit gesunken.
Warum wurden Eva und Adam aus dem Paradies vertrieben?
Weil sie die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen gekostet und damit dem Gebot Gottes zuwidergehandelt haben. Aber selbst diese Vertreibung aus dem Paradies hat Gott aus Liebe zu unseren Urahnen getan. Im Paradies gibt es auch den Baum des Lebens. Wer die Früchte vom Baum des Lebens isst, wird unsterblich. Hätten Adam und Eva, die nach dem Fall das Gift des Todes in sich trugen, diese Früchte gegessen, wären sie in diesem Zustand der Sünde und der Sterblichkeit unsterblich geworden. Das wäre dann die schlimmste Hölle gewesen. Und damit dieses größere Übel den Menschen nicht zustößt, hat Gott sie aus dem Paradies vertrieben. Das heißt, Gott hat sie aus dem Paradies vertrieben, um zu verhindern, dass das Böse verewigt wird.
Aber damit Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies nicht in Verzweiflung fielen, hat Gott ihnen versprochen, einen Erlöser zu senden, der den Teufel - die Schlange - besiegen und sie vom Tode befreien und zurück ins Paradies bringen würde.
Was hat Gott Adam und Eva gesagt, als er sie aus dem Paradies vertrieben hat?
Zu Eva sagte er: "Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein". Zu Adam sagte er: "Verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden". Wegen der Sünde des Menschen leiden nicht nur die Menschen, sondern auch alle Wesen und die ganze göttliche Schöpfung. So hat schon der erste Sohn von Adam und Eva seinen Bruder Abel ermordet.
Warum hat Kain Abel ermordet?
Er hat ihn aus Neid ermordet: Kain beneidete Abel, weil Gott das Opfer entgegennahm, das ihm Abel aus reinem Herzen dargebracht hatte. So geschieht es auch heute: Der Neid ist der Hauptgrund eines jeden Brudermordes. Und jeder Mord ist ein Brudermord, weil alle Menschen Brüder und Schwestern sind.
Wer war Noah und wie hat er sich vor der Sintflut gerettet?
Noah ist einer der Erwählten Gottes. Er war nicht verdorben wie seine Zeitgenossen, sondern er glaubte an Gott und wartete auf den künftigen Erlöser, auf den göttlichen Sohn. Gott befahl Noah, einen Kasten (ein Schiff- die Arche) zu bauen und dorthin seine Familie und je ein Paar von allen Tieren der Erde zu bringen, um sie vor der Sintflut zu bewahren. Die Sintflut war gekommen, um die angehäuften menschlichen Sünden zu entfernen und die entweihte Erde rein zu waschen. Die Arche Noahs ist ein geheimnisvolles Bild der Kirche Christi, in der wir vor der Flut der Sünden gerettet werden und dadurch das ewige Leben gewinnen.
Was ist Götzendienst?
Das ist die Abtrünnigkeit vom wahren Gott und die Verneigung vor Götterbildern (Idolen), in denen die Teufel, das heißt die falschen Götter, gewesen sind. Ein Mensch wird zu einem Götzendiener, sobald er sich vor verschiedenen Geschöpfen zu verneigen beginnt, anstatt dem Schöpfer zu dienen. Zu einem Götzendiener wird ein Mensch auch dann, wenn er anfängt, sich selbst oder das Werk seiner Hände zu bewundern.
Wer war Abraham?
Abraham war ein Patriarch des Alten Testaments. Er hat sich nicht vor Abgöttern verneigt wie seine Zeitgenossen. Er hat an den einen Gott und an den verheißenen Erlöser geglaubt, der vom Himmel kommen wird. Vor ihm erschien als erstem von allen Menschen geheimnisvoll die heilige Dreifaltigkeit in der Form von drei Engeln, drei Fremden im Hain Mamre. Von Abraham über seinen Sohn Isaak vermehrte sich nach der Verheißung Gottes das auserwählte Volk Gottes. Wir Christen sind auch geistige Kinder Abrahams. Deshalb beten wir, dass Gott unseren entschlafenen Brüdern und Schwestern im Schöße unserer Vorväter Abraham, Isaak und Jakob die Ruhe schenkt.
Wen wollte Abraham zum Opfer bringen?
Er wollte seinen einzigen Sohn Isaak zum Opfer bringen. Damit hat Gott seinen Glauben in Versuchung stellen wollen, und als er sich als treu erwies, beschenkte ihn Gott über seinen Sohn Isaak mit einer großen und heiligen Nachkommenschaft. Christus, der Erlöser, ist auch sein Abkömmling dem Körper nach. Die Aufopferung Isaaks war eine Vorerscheinung der Leiden und der Aufopferung Christi.
Wie viele Söhne hatte Jakob, der Sohn Isaaks, genannt Israel, nach dem das auserwählte Volk seinen Namen bekam?
Der Patriarch Jakob hatte zwölf Söhne, welche die Stammesväter der zwölf Stämme Israels sind. Seinen Sohn Joseph haben dessen Brüder aus Neid nach Ägypten verkauft, aber Gott rettete ihn und durch ihn rettete er alle Abkömmlinge Jakobs. Auch wir Christen werden nach Jakob, der Israel genannt wurde, das neue, göttliche Israel genannt, das heißt das neue, auserwählte Volk Gottes.
Wie gelangte Joseph an den Hof des Pharaos, des Kaisers von Ägypten?
Joseph war der einzige, der den Traum des Pharaos deuten konnte. Deshalb befreite ihn der Pharao aus dem Kerker, in dem er bis dahin ohne irgendwelche Schuld gelegen hatte. Seine Fähigkeit, Träume deuten zu könrien, war eine Gabe Gottes.
Wie hat das Volk der Israeliten in Ägypten gelebt?
Der alte Jakob und seine Söhne kamen wegen einer großen Hungersnot nach Ägypten zu Joseph, der der Verwalter des ganzen ägyptischen Landes war. Solange die Ägypter sich an seine guten Taten erinnerten, konnte das Volk der Israeliten dort gut leben. Später jedoch lebten sie sehr schwer und mussten in Knechtschaft arbeiten.
Was haben die Babylonier gebaut?
Die Babylonier wollten einen riesigen Turm bauen. Sie wollten, dass die Spitze des Turmes den Himmel erreicht. Auf diese Art und Weise wollten sie Gott trotzen. Darum hat Gott die Sprachen verwirrt, und so konnten die Bauarbeiter einander nicht mehr verstehen. Deshalb gingen sie alle auseinander, und so sind verschiedene Völker entstanden, die auch verschiedene Sprachen sprechen. Auf diese Art und Weise geschieht es stets: Immer, wenn Menschen etwas bauen oder irgendwelche gottlosen Taten begehen, entfernen sie sich nicht nur von Gott, sondern sie entfernen sich auch voneinander. Der Hass und die Verwirrung ziehen in sie ein, so wie sie in die Bauarbeiter des Turmes von Babylon eingezogen waren.
Wer war Moses?
Er wurde von Gott auserwählt, um der Befreier des Volkes Israel aus der Knechtschaft in Ägypten zu werden. Ihm erschien auf dem Berg Horeb ein Engel in einer feurigen Flamme aus einem Dornbusch, der immer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da erfuhr Moses, als erster von allen Menschen, den Namen Gottes, der lautet: Ich bin der, der ist (hebräisch: JAHWE). Gott, der ihm erschienen war, war der Gott Logos, der Gott Wort. Dieser Gott wurde in der Fülle der Zeit von einer Jungfrau geboren, die ihn geboren hat und trotzdem eine Jungfrau geblieben ist, auf die gleiche Art und Weise wie jener Dornbusch, der gebrannt hat und doch nicht verzehrt wurde.
Wie hat Moses das jüdische Volk aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeführt und befreit?
Er führte das Volk mit der Hilfe Gottes heraus und befreite es. Gott ließ über die Ägypter viele Strafen fallen und verwandelte den Stab des Moses in einen Wunderstab. Mit diesem Stab schlug er auf das Meer, und die Gewässer des Meeres teilten sich, damit das jüdische Volk Ägypten verlassen und in das verheißene Land gehen konnte.
Wie hat sich das Volk Israel während seiner Wanderung durch die Wüste, die vierzig Jahre dauerte, ernähren können?
Gott gab den Israeliten das wundervolle Manna und viele Scharen von Wachteln. Das Manna war eine Vorerscheinung des heiligen Geheimnisses des heiligen Abendmahls von Blut und Fleisch Christi, des Brotes, das vom Himmel herunterkommt und der Welt zum Leben gegeben wird.
Wo hat Moses die Zehn Gebote Gottes erhalten?
Er erhielt sie auf dem Berg Sinai. Die Zehn Gebote Gottes lauten:
1. Ich bin der HERR, dein Gott, und du sollst keine anderen Götter haben neben Mir.
2. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen; bete sie nicht an und diene ihnen nicht!
3. Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen.
4. Gedenke des Ruhetages, dass du ihn heiligest; sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun, aber am siebenten Tage ist der Ruhetag des HERRN, deines Gottes.
5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass es dir gut geht und du lange lebest in dem Lande.
6. Du sollst nicht töten.
7. Du sollst nicht ehebrechen.
8. Du sollst nicht stehlen.
9. Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten.
10. Du sollst nicht begehren alles, was dein Nächster hat.
Wer war David und wer war Goliath?
David war der König der Israeliten, und Goliath war ein Kriegsherr der Philister; er war von gigantischer Größe und Kraft. Während eines Zweikampfes tötete David, obwohl er noch ein Junge war, mit einem Stein, den er aus einer Schleuder geworfen hatte, den Riesen Goliath.
Was sind die Psalmen Davids?
Die Psalmen sind Gebete in Versen. David hat sie immer dann gedichtet, wenn er fröhlich oder traurig war. Es gibt 150 Psalmen. In einigen von diesen Psalmen bereut David seine Sünden, in anderen preist er Gott, in wieder anderen prophezeit er die Ankunft des Erlösers der Welt. So beschreibt er in einem von diesen Psalmen Seine Schönheit so, als ob er Ihn sehen könnte: "Du bist der schönste unter den Menschensöhnen, die Gnade fließt aus Deinem Munde". Die Psalmen waren durch alle Jahrhunderte und sind auch heute die beliebtesten Gebete der Christen; sie waren jenes Buch, das die Menschen zutiefst erschüttert hat und das selbst das versteinerteste aller menschlichen Herzen aus seiner Verwelktheit aufwecken konnte.
Wer waren die Propheten?
Die Propheten waren heilige, göttliche Menschen, die den Willen Gottes dem Volk Israel und den anderen Völkern des Alten Testaments verkündeten. Die bekanntesten von ihnen sind die vier großen Propheten: Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel. Sie verurteilten das Böse und die Sünde durch ihre Worte und durch ihr Leben sowie durch ihre Bücher; sie predigten Buße und die Tugend in der Erfüllung der göttlichen Gebote. Gott hat ihnen vor so vielen Jahrhunderten die göttliche Gestalt Christi, seine Geburt, seine Leiden wegen der Sünden der Welt und seine ruhmreiche Auferstehung offenbart.
Was ist das Pascha?
Das Pascha ist eine Feierlichkeit aus dem Alten Testament, die die Juden immer im Frühjahr feiern zum Andenken an ihre wundervolle Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten. An jenem Tag haben sie - neben dem Brot, das ohne Hefe zubereitet war, und neben dem bitteren Kraut - ein zum Opfer dargebrachtes Paschalamm gegessen. Auf diese Art und Weise erinnerten sie sich an ihre bittere Knechtschaft und an ihren Zug durch das Rote Meer auf dem Wege in die Freiheit. Auch die Kirche des Neuen Testaments hat ihr Pascha, Ostern. Das Pascha des Alten Testaments war eine Vorbereitung für diese Feierlichkeit, die über allen anderen Feierlichkeiten steht. Dann wird das göttliche Lamm gefeiert, Christus der Gott, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Menschheit, die voller Sünden war, von der Knechtschaft des Teufels und von den Fesseln des Todes befreit hat.
Wo liegt die Fülle des Alten Testaments?
Die Fülle des Alten Testaments befindet sich im Neuen Testament. Das Alte Testament ist keine abgerundete Einheit, und genauso ist das Gesetz des Alten Testaments kein vollkommenes Gesetz. Das ganze Alte Testament stellt ein großes Warten auf den göttlichen Sohn dar, auf den von Gott verheißenen Messias (das hebräische Wort "Messias" heißt im Griechischen "Hristos", und beides bedeutet "der Gesalbte", "der Kaiser").
Im Neuen Testament haben sich alle Erwartungen des Alten Testaments offenbart, als endlich der verheißene Messias, der Gottmensch Jesus Christus, auf die Erde kam, um die Abkömmlinge Adams und Evas zu retten, sie miteinander zu versöhnen und sie wieder zu Gott zu führen. Christus, der Sohn Gottes, sollte der Prophezeiung nach von einer jüdischen Jungfrau geboren werden, die von allen Sünden frei ist.
Was ist der Sinn der alttestamentlichen Darbringungen und Opfer?
Darbringungen und Opfer an Gott gibt es im Menschengeschlecht von jeher. So hat schon Kain "dem Herrn von der Frucht der Erde dargebracht" und Abel, sein Bruder, "von den Erstlingen seiner Herde" (Gen 4,3-4).
Das erste Opfer, dass im alten Testament erwähnt wird, ist das des Patriarchen Jakob. Er hat das Opfer "auf dem Berg dargebracht und seine Brüder zum Abendmahl geladen" (Genesis 31,54). Es war sowohl menschliches Bedürfnis als auch göttliches Gebot, Gott die ersten Früchte der Erde und Blutopfer (Lämmer, Kälber, Tauben u.a.) als Geschenk und zur Heiligung darzubringen. Die Darbringungen und Opfer waren Zeichen der Reue der Menschen für ihre Sünden und ihrer Dankbarkeit Gott gegenüber für alle guten Gaben; sie dienten zur Erbarmung Gottes und als Weg zur Reinigung von seelischer und körperlicher Unreinheit. Opfer wurden dargebracht zur Reinigung und bei Sünde, bei Verbrechen, als Brandopfer und als Dankopfer (Brot, Mehl u.a.). Das bedeutendste Opfer für das auserwählte Volk Gottes war das Paschalamm. Es wurde geschlachtet und dann dargebracht zur Erinnerung an die Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft in Ägypten. Die Priester und der Hohepriester brachten Gaben und Opfer vor allem für ihre Sünden und dann für die Sünden des Volkes dar (Hebr 7,27). Aber es zeigte sich, dass all diese Opfer ungenügend waren, um den Menschen tatsächlich zu retten und von der Sünde zu reinigen. Sie dienten als "Bilder und Schatten der himmlischen Wirklichkeit" (Hebr 8,15). Sie alle waren Vorbereitung für das Opfer Christi am Kreuz. Er hat sich zum Opfer dargebracht, ein für allemal, um durch sein Opfer die Sünde zu vernichten (Hebr 9,25,26,28). So haben durch sein Opfer alle anderen Opfer ihre Fülle bekommen und wurden aufgehoben, da sie ihren endgültigen Sinn in Christus erlangt haben, der sich "für das Leben der Welt" dargebracht hat. Durch sein Opfer ist er das ewige Lamm Gottes geworden, das die Sünden der Welt auf sich nimmt. So haben alle Darbringungen und Opfer ihren wahren Sinn beim heiligen Abendmahl bekommen, als er Brot und Wein darbrachte, und durch das unblutige Opfer alle Darbringungen und Opfer ersetzte und das heilige Sakrament die Eucharistie einsetzte.
DIE OFFENBARUNG IM NEUEN TESTAMENT
Wie fangt das Neue Testament an?
Das Neue Testament fängt mit einem Stammbaum Christi nach seiner menschlichen Natur und mit seiner Geburt an. Seine Geburt verkündete der Erzengel Gabriel, indem er die allerheiligste Gottesmutter und stete Jungfrau Maria mit dem himmlischen Gruß begrüßte: "Freue dich, du Begnadete, der Herr ist mit dir! Gesegnet bist du unter den Frauen!".
Wer regierte im judäischen (israelitischen) Land zu der Zeit, als Christus auf der Erde geboren wurde?
In Judäa regierte der König Herodes, der in Abhängigkeit zum Römischen Kaiser Augustus stand.
Wie hießen die Eltern der allerheiligsten Gottesmutter Maria?
Sie hießen Joachim und Anna. Ihre Namen erwähnen wir am Ende jeder Heiligen Liturgie. Der Feiertag der heiligen und gerechten Gottesahnen Joachim und Anna (serbisch: Praznik svetog Joakima i Ane) kommt einen Tag nach dem Feiertag der Geburt der allerheiligsten Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria (serbisch: Mala gospojina), also am 9. September nach dem alten Kalender (am 22. September nach dem neuen Kalender).
Was ist am Tage der Ankündigung der Geburt Christi geschehen?
Die Verkündigung (serbisch: Blagovesti) ist der Feiertag, an dem wir die Ankunft des Erzengels Gabriel feiern, der der Gottesmutter die frohe Nachricht brachte, dass sie vom Heiligen Geist (ohne einen Mann) empfangen und den Sohn Gottes als Menschensohn mit dem Namen Jesus Christus gebären wird.
Die allerheiligste und stete Jungfrau Maria hat erst zugesagt, nachdem sie den Erzengel überprüft hatte. Denn sie hatte Gott gegenüber ein geheimes Gelöbnis abgelegt, dass sie immerdar Jungfrau bleiben wird, und das wussten nur Gott, ihr angetrauter Mann Joseph und sie selbst. Aus der Bibel wusste sie, dass der Teufel sich auch in der Gestalt eines heiligen Engels zeigen kann. Deswegen war sie nicht so leichtsinnig wie unsere Urahnin Eva.
An diesem Feiertag der Verkündigung hat die Gottesmutter durch ihren Gehorsam gegenüber Gott Evas Sünde des Ungehorsams wieder gutgemacht. Eva hatte ihre Freiheit für das Böse und zur Freude des Teufels benutzt, doch die allerheiligste Gottesmutter benutzte ihre Freiheit für den heiligen Dienst Gott gegenüber und rief inbrünstig: "Ich bin des Herren Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast!". Verkündigung wird am 25. März nach dem alten (am 7. April nach dem neuen) Kalender gefeiert.
Wo wurde der Erlöser geboren?
Er wurde in Judäa geboren, in einer Stadt, die Bethlehem heißt, nicht weit von Jerusalem, so wie es die Propheten aus den alten Zeiten vorausgesagt hatten.
Was bedeutet der Name Jesus?
Der Name Jesus ist eine Gabe vom Himmel und wurde offenbart durch die Worte des Erzengels Gabriel, die an die sittsame Jungfrau Maria gerichtet waren: "Und sollst ihm den Namen Jesus geben ". Das ist ein Name, der erhabener ist als jeder andere Name. Ohne diesen Namen kann kein Mensch und kein Geschöpf gerettet werden. Der Name Jesus bedeutet der Erlöser.
Wer hat als erster den neugeborenen Christus, den Gott, besucht und erkannt?
Das waren die drei Weisen aus dem Morgenland. Sie folgten einem Stern, der bis dahin nicht gesehen worden war. Und das Licht dieses wunderbaren Sterns blieb über der Hütte in Bethlehem, in der Christus geboren wurde. Sie erkannten in ihm den himmlischen Kaiser und beugten sich vor ihm bis zur Erde. Die Weisen beschenkten Christus mit ihren Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Was haben die Engel im Himmel gesungen, als der Gottmensch geboren wurde?
Sie haben das freudige Lied gesungen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens".
Wer waren die Weisen aus dem Morgenland?
Die Weisen waren gelehrte Menschen, die Sterne beobachteten und nach ihnen die Zukunft vorhersagen konnten.
Was hat der Kaiser Herodes von den Weisen verlangt?
Er verlangte, dass sie ihm mitteilen, wo genau der neugeborene Christus, der himmlische König, sich befand, damit er ihn töten konnte. Die Weisen nahmen jedoch einen anderen Weg, als sie zurück in ihr Land gingen, weil sie seinen Befehl nicht durchführen wollten.
Wohin sind der gerechte Joseph und die allerheiligste Gottesmutter Maria mit dem kleinen Christus gegangen?
Sie sind heimlich nach Ägypten geflüchtet, um sich vor Herodes zu retten. Herodes ließ vierzehntausend unschuldige Kinder aus Bethlehem töten, da er verlangte, dass der kleine Christus getötet wird. Das waren die ersten Märtyrer für Christus. Sie waren auch das erste heilige Opfer für das Himmlische Reich Christi, das Reich des Lebens und der Freude ohne Ende.
Wer war der fromme, alte Mann Simeon?
Der fromme und gottesfürchtige alte Mann Simeon wird auch der Gottempfänger genannt. Zu ihm hatte Gott gesagt, dass er nicht sterben werde, bevor er Christus, den Erlöser, gesehen habe. Er hat es erlebt und empfing den kleinen Christus, den Gott, in seine Arme. Deshalb wird er Gottempfänger genannt. Diesem Ereignis ist der Feiertag Begegnung unseres Herrn (serbisch: Sretenje) gewidmet. Er wird am 2. Februar nach dem alten (am 15. Februar nach dem neuen) Kalender gefeiert.
Warum wurde der kleine Christus, als er acht Tage alt war, in den Tempel von Jerusalem gebracht?
Nach dem Gesetz des Moses musste jedes neugeborene männliche Kind beschnitten werden. Die Beschneidung war ein Zeichen des alttestamentlichen Bundes mit Gott. Der Herr Christus ließ sich beschneiden, um damit zu zeigen, dass er nicht gekommen war, um das Gesetz und die Lehren der Propheten aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen. Die Beschneidung ist auch ein Zeugnis dafür, dass er tatsächlich wahrer Mensch ist und nicht nur Gott. Durch diese Erfüllung des Gesetzes hat uns Gott die geistige Beschneidung hinterlassen. Das ist die Beschneidung des Herzens - das heilige Sakrament der Taufe, für welche die körperliche Beschneidung nur eine Vorbereitung war. Die Beschneidung unseres Herrn Jesus Christus (serbisch: Obrezanje Hristovo) wird am 1. Januar (am 14. Januar nach dem neuen Kalender) gefeiert.
Welcher Prophet hat die Menschen auf die Ankunft des Gottessohnes unmittelbar vorbereitet?
Das war der wunderbare Johannes der Vorläufer. In der Wüste predigte er von der Ankunft des Erlösers der Welt mit den Worten: "Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen".
Wo hat Johannes der Täufer gelebt und wovon hat er sich ernährt?
Johannes der Vorläufer, der Christus im Fluss Jordan getauft hat, lebte in der Wüste als Eremit. Seine Speise waren Krauter der Wüste und der Honig wilder Bienen.
Wie hat sein Leben geendet?
Nachdem Johannes der Täufer dem König Herodes den Vorwurf gemacht hat, dass er seine Schwiegertochter nicht hätte heiraten dürfen, hasste ihn die Königin Herodias und überredete den König, den heiligen Johannes zu köpfen. Das hat er auch getan. Er ließ diesen Menschen enthaupten, den größten unter den Menschen, die von einer Frau geboren wurden, wie ihn der Erlöser selbst nennt, und den größten unter den Propheten.
Seines Märtyrertodes gedenken wir am Tage der Enthauptung des ruhmreichen Propheten, Vorläufers und Täufers Johannes (serbisch: Dan usekovanja glave Svetog Jovana Krstitelja) am 29. August nach dem alten Kalender (am 11. September nach dem neuen Kalender). Aus großer Ehrerbietung vor dem strengen Einsiedler und Märtyrer Johannes dem Vorläufer fasten an diesem Tag alle orthodoxen Gläubigen.
Was sagte der heilige Johannes der Täufer, als er zum ersten Mal den Herrn Christus sah?
Er sagte die prophetischen Worte: "Schau, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünden trägt".
Der heilige Johannes der Täufer wusste, dass Christus frei von allen Sünden ist und dass es nicht nötig ist, ihn durch Untertauchen ins Wasser zu taufen; warum hat er ihn dennoch im Fluss Jordan getauft?
Christus ist zweifach frei von allen Sünden: sowohl als Gott als auch als Mensch, der von der allerreinsten Jungfrau geboren wurde. Er wollte sich jedoch freiwillig erniedrigen und zur Taufe kommen, als ob er sündhaft wäre, "um alle Gerechtigkeit zu erfüllen", wie er selbst dem Vorläufer Johannes sagte. Und genau im Augenblick dieser freiwilligen Erniedrigung offenbarte sich die göttliche Herrlichkeit. Gott selbst offenbarte sich am Fluss Jordan.
Wie hat sich Gott am Fluss Jordan offenbart?
Als Johannes Christus in das Wasser des Flusses Jordan eintauchte, hörte man vom Himmel herab die Stimme des Gottvaters: "Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe". Im Fluss Jordan stand die zweite Person der heiligen Dreifaltigkeit, der Gottessohn, als Gottmensch, und über dem Sohn Gottes schwebte der Heilige Geist in der Gestalt der lichtstrahlenden Taube. Das war die Erscheinung Gottes. Da hatte sich Gott öffentlich geoffenbart als Vater, Sohn und Heiliger Geist, als die heilige Dreifaltigkeit. Gott offenbarte sich und verklärte das Universum. Die Erscheinung Gottes - die Theophanie unseres Herrn und Gottes Jesus Christus - Taufe des Herrn - (serbisch: Bogojavljenje) wird am 6. Januar nach dem alten Kalender (am 19. Januar nach dem neuen) gefeiert.
An diesem Tag wird das Wasser geweiht, das man nach Hause mitbringt, um es für die Gesundheit sowie zur Erleuchtung der Seele und des Körpers zu trinken. Dieses Epiphaniewasser verdirbt nie, da in ihm die Kraft des Heiligen Geistes weilt.
Womit wollte der Teufel Christus in Versuchung führen?
Die erste Versuchung geschah mit Brot. Christus hatte vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet. Er wurde sehr hungrig. Dann näherte sich Ihm der Versucher und sprach zu Ihm: "Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden". Aber Christus antwortete darauf dem Teufel: "Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, sondern von einem jedem Wort, das aus dem Mund Gottes geht". Viele Menschen verkaufen ihre Seele dem Satan wegen des vergänglichen irdischen Lebens und vergessen deshalb das ewige Brot, das göttliche Wort, das das Brot des Lebens bedeutet.
Die zweite Versuchung geschah durch Wundertaten. Der Teufel führte Christus auf die Zinne des Tempels von Jerusalem und sprach zu Ihm: "Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11.12): Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt". Aber Christus antwortete ihm: "Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen".
Die dritte Versuchung geschah durch irdische Macht. Der Teufel führte Christus auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche dieser Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu Ihm: "Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest". Christus antwortete ihm: "Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen".
In all diesen drei Versuchungen verführt der Satan jeden Menschen und alle Menschen aller Zeiten: Er führt sie durch Lust (Genüsse), durch Wundertaten und durch die Macht in Versuchung. Nur jene Menschen, die Christus treu sind, sind imstande, diesen Versuchungen zu widerstehen und dem Satan zu antworten: "Gehe fort, du Satan! Vor meinem Gott beuge ich mich und ihm allein diene ich!"
Warum wird der Herr Jesus Christus "Gottmensch" genannt?
Der Herr Jesus Christus ist der Gottmensch, weil er in sich zwei Naturen hat: die göttliche, die er von Gottvater hat, und die menschliche, die er von seiner Mutter, der allerheiligsten Jungfrau Maria, hat. Sie hat Gott im menschlichen Körper geboren.
Nach den Worten der heiligen Väter des Vierten Ökumenischen Konzils (im Jahre 451) befinden sich die göttliche und die menschliche Natur in ein und demselben Christus, dem Gottessohn, dem Einziggeborenen. Diese Naturen sind vereint, "aber sie sind unverschmolzen, unveränderbar, untrennbar und unteilbar". Christus ist also zugleich Gott und Mensch, und deswegen wird er Gottmensch genannt.
Wie viele Apostel hat es gegeben und welche wurden als erste berufen?
Es hat zwölf Apostel gegeben. Der Erstberufene war der Apostel Andreas und nach ihm sein Bruder Petrus (der früher Simon hieß). "Apostel" ist ein griechisches Wort und bedeutet "der Gesandte", "der Prediger Christi und seiner göttlichen Lehre".
Welches war das erste Wunder Christi?
Bei einer Hochzeit in Kana in Galiläa verwandelte Christus Wasser in Wein. Dieses erste Wunder wirkte Christus auf die Bitte der allerheiligsten Gottesmutter, und durch diese Tat rief Christus alle Menschen zur Erneuerung und Verwandlung auf.
Genauso wie sich durch sein Wort Wasser in Wein verwandelte, können sich auch Menschen durch die Macht seines Heiligen Geistes und durch den Glauben von alten zu neuen Menschen wandeln, von sterblichen zu unsterblichen, von Sündern zu jenen, deren Seele und Körper gesund sind.
Die Erzählung von diesem Ereignis mit dem Wein wird den Brautleuten während der Eheschließung vorgelesen. Dadurch will die Kirche sie erinnern, dass sie im heiligen Geheimnis der Ehe zum neuen Leben in Jesus Christus aufgerufen sind; dass sie aufgerufen sind, "das Wasser" ihres vergänglichen Lebens durch den Glauben und durch die Liebe in "den Wein" des ewigen Lebens zu verwandeln. Das bedeutet, die Ehe aus einer vergänglichen Beziehung in ein Sakrament Gottes zu verwandeln. Deshalb gibt es keine richtige Ehe ohne Eheschließung in der Kirche.
Was hat Christus mit den Verkäufern im Tempel getan?
Er vertrieb die Verkäufer und Käufer mit einer Peitsche aus dem Tempel, da der Tempel Gottes ein Bethaus ist und nicht ein Haus des Handels. Damit zeigte Christus, dass mit dem Glauben und mit Gott nicht gehandelt werden kann und darf.
Was hat Christus der Samariterin über das Gebet gesagt?
Die Juden und die Samariter (ein gemischtes Volk aus Juden und aus heidnischen Eingeborenen, die an mehrere Götter glaubten) waren überzeugt, dass der einzige Ort des Gebets der Tempel in Jerusalem beziehungsweise in Samarien ist. Christus wusste schon im Voraus, da er Gott ist, dass seine Kirche sich unter allen Völkern der Welt verbreiten würde. Deshalb sagte Christus der Samariterin am Jakobsbrunnen: "Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten "werden
im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten."
Wie hat Christus den Sohn des königlichen Beamten geheilt?
Christus sprach zu ihm: "Geh hin, dein Sohn lebt".
Wie hat Christus den Aussätzigen geheilt?
Der unheilbare Aussätzige hat daran geglaubt, dass der Herr ihn heilen kann und rief: "Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen". Christus antwortete: "Ich will's tun; sei rein!" Und der Aussätzige wurde gesund.
Gott erwartet also vom Menschen den Glauben, um ihm zu helfen. Wer glaubt, wird gerettet. Alles, was nicht vom Glauben kommt, ist Sünde. Der Glaube ist die unzerstörbare Kraft im Menschen. Für denjenigen, der inbrünstig an Christus und an Seine wundertätige und heilende Macht glaubt, ist alles möglich. Das ist die Hauptbotschaft Christi im Neuen Testament.
Jener, dessen Glaube wenigstens so groß ist wie ein Senfkorn, ist imstande, Berge der Nöte und der Leiden zu versetzen und sich von jeglichem Bösen, von jeder Krankheit und von jedem Elend zu befreien. Diese Wahrheit des Neuen Testaments wurde unzählige Male in der Geschichte bestätigt und wird alltäglich bis zum heutigen Tage bestätigt.
Wie wurde Christus in seiner Stadt Nazareth empfangen?
Am Anfang haben ihn die Menschen schön empfangen, aber als er ihnen die Wahrheit sagte, wurden sie zornig und wollten ihn in einen Abgrund werfen. Sie haben an ihn als Sohn Gottes nicht geglaubt, und Seelen ohne Glauben sind tote Seelen, die unfähig sind, die Wahrheit Gottes zu sehen, die den Menschen durch Christus offenbart wird.
Wie hat Christus den Gelähmten geheilt?
Er sagte zu dem Gelähmten: "Deine Sünden sind dir vergeben". Auch durch viele andere Beispiele im Neuen Testament hat der Herr gezeigt und offenbart, dass die Sünde im Menschen der Grund für die körperlichen und geistigen Krankheiten ist. Das bedeutet: Ohne Heilung von der Sünde, ohne innigen Glauben und ohne aufrichtige Buße gibt es'für den Menschen keine richtige Heilung.
Was hat Christus über den Sabbat gesagt?
Der Sabbat war im Alten Testament der Tag der Ruhe: Nach dem vierten Gebot Gottes ist das der Tag, der Gott dem Herrn gewidmet ist. Das war der Tag der Teilnahme an der Freude der göttlichen Schöpfung und der Tag der Erholung von den Mühen der vorigen sechs Tage.
Wie alles andere im Alten Testament, so war auch der Sabbat eine Vorbereitung auf die Fülle des Neuen Testaments, auf die Freude über die neue Schöpfung Gottes -.die Geburt Christi und die Auferstehung. Der Sabbat wurde für den neuen Menschen geschaffen, den Auferstandenen, sowie wegen eines neuen Ruhetages, des Tages des Herrn, des Tages der Auferstehung Christi - des Sonntags.
Christus war ebenso der Herr des Samstags, als Gottmensch, da er auch am Samstag das Werk der Erlösung gewirkt und durch Wunder geheilt hat. Den Pharisäern, die ihn deshalb schmähten, weil sie ein versteinertes Herz hatten, sagte er: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbats willen".
Was sind die Seligpreisungen?
In seiner Bergpredigt sprach Christus neun Seligpreisungen aus. Die Seligpreisungen sind die gute und frohe Botschaft vom neuen Leben. Die Bergpredigt ist die erhabenste aller Verkündigungen in der Geschichte des menschlichen Geschlechts. Der Patriarch Jakob sah im Alten Testament eine Leiter, über die die Engel auf-und absteigen konnten. Die Gebote der Seligpreisungen sind diese Leiter, über die der Mensch sich zu Gott erhebt und dadurch, wie die Heiligen, zum Himmelsmenschen und zum Engel der Erde wird. Die Seligpreisungen sind der Weg in die göttliche Vollkommenheit. In diesen neun göttlichen Tugenden sind dem Menschen neue Regeln des Lebens, neue Regeln des Denkens, neue Regeln der Gefühle und neue Regeln des Handelns gegeben.
Dieses neue Leben in Christus beginnt mit der Armseligkeit des Geistes, das heißt mit Demut, und es endet mit dem Leiden im Namen Christi und mit ewiger Freude und Seligkeit im Paradies. Durch jede neu erworbene Tugend erwirbt der Mensch eine neue Seligkeit und eine neue Gabe Gottes. Die neun Seligpreisungen lauten:
1. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
2. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
3. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
4. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
5. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
6. Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
7. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
8. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
9. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.
Zu wem hat Christus der Herr gesagt: "Ihr seid das Salz der Erde ... Ihr seid das Licht der Welt"?
Christus richtete diese Worte an seine ersten Jünger, die Apostel, und nach ihnen und über sie an alle Christen aller Zeiten.
Welche sind die zwei höchsten Gebote?
Christus hat alle Gebote des Alten Testaments in zwei höchste Gebote zusammengefasst:
1. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.
2. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Gott hat sich als Liebe offenbart: als der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Indem er Gottmensch geworden war, zeigte und offenbarte der Gottessohn, dass auch der Mensch geschaffen ist, um etwas zu sein, das vollkommener ist als der Mensch - nämlich der Gottmensch. Um das zu verstehen und zu schaffen, sind tieferer und weiterer Glaube sowie unendliche Liebe notwendig.
Christen betrachten alle Menschen als ihre Nächsten, ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens oder ihrer Nationalität: Ein Christ liebt seinen Nächsten nicht nur wie sich selbst, sondern mehr als sich selbst. Er liebt seinen Nächsten so, wie Jesus Christus uns geliebt hat. Und Christus hat sich selbst wegen uns und wegen unserer Erlösung geopfert. Der Herr sagte seinen Jungem, dass sie ihre Nächsten nicht nur so wie sich selbst lieben sollen, sondern dass sie die Nächsten so lieben sollen, wie er uns liebgewonnen hat (Evangelium nach Johannes, 13. Kapitel, Vers 34).
Christus, der Herr, liebte uns also mehr als sich selbst. Er hat sich unseretwegen erniedrigt, um am Kreuz zu sterben. Diese göttliche, uneigennützige, selbstopfernde Liebe des Herrn Christi erkennen wir auch daran, "dass Er sein Leben fiir uns gelassen hat". Deshalb sind wir nach seinem Gebot auch "verpflichtet, unser Lebenför unsere Brüder zu lassen". (Erster Brief des Johannes, 3. Kapitel, Vers 16). Erst das ist die wahre vollkommene Liebe: die Liebe, die das Ihre nicht sucht.
Christus als Wundertäter?
Nur Gott tut Wunder. Christus ist Gott im menschlichen Leib, und deshalb ist es ganz natürlich, dass er Wunder vollzieht: Er hat den Teufel aus der Seele des Besessenen ausgetrieben, er hat dem blindgeborenen Menschen das Augenlicht gegeben, er hat die Tochter des Jairus auferweckt, dann den Sohn der Witwe aus Nain, und am Lazarus-Samstag hat er seinen Freund Lazarus, der seit vier Tagen tot im Grabe lag, von den Toten auferweckt.
Christus als Gottmensch steht über den Gesetzen der Natur, da er der Schöpfer der Natur ist. Als er dem Wind befohlen hatte aufzuhören, legte sich der Sturm auf dem Meer sofort. Gott läuft über die Wellen des Meeres und versinkt nicht. Er kann mit fünf Brotlaiben durch das Wunder der Vermehrung zehntausend Menschen sättigen.
Was bedeuten die Worte Christi: "Der Vater ist in mir und ich bin im Vater ... Der Vater und ich, wir sind eins" ?
Das bedeutet, dass Gottvater und Christus von demselben göttlichen Wesen und von derselben ewigen Energie sind und dass sie zusammen mit dem Heiligen Geist ein und derselbe Gott sind.
Was bedeuten die Worte Christi: "Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme"?
Das bedeutet, dass es für einen reichen Menschen schwer ist, seinen Egoismus zu überwinden, und egoistische Menschen können nicht in das Himmelreich eingehen. Ein Reicher ist nicht nur jener, der materielle Reichtümer besitzt, sondern auch jener, der Kenntnisse erworben hat und deswegen selbstsüchtig ist. Für einen solchen Menschen ist es noch schwerer, Bescheidenheit zu erwerben und sich von seiner Selbstsucht zu befreien, beziehungsweise "geistlich arm" zu werden. Doch der eine und der andere Reiche können gerettet werden: der erste, wenn er uneigennützig den Armen Spenden verteilt, und der andere, wenn er auf seine Kenntnisse verzichtet, die ihn eingebildet machen, und die bescheiden machende Weisheit des allerweisesten Christus annimmt.
Was hat Christus über das Zahlen der Steuern an den Kaiser und an den Staat gesagt?
Christus sagte: "So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist". Das bedeutet, dass wir Gott unser ganzes Wesen geben sollen, die Seele und den Körper, und dem Kaiser (den Behörden) das Geld (da Münzen mit dem Angesicht des Kaisers geprägt werden) und die notwendige Achtung. Das Geld gehört dem Staat, und deshalb bezahlen wir Steuern an den Staat; die Seele und der Körper gehören Gott, da sie nach dem göttlichen Bild und Ebenbild geschaffen sind. Deshalb muss man, nach den Worten der Apostel, "Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apostelgeschichte des Lukas, 4. Kapitel, Vers 29).
Wer hat den Erlöser am Palmsonntag (serbisch: Cveti) in Jerusalem aufgenommen?
Das ganze Volk jubelte Christus mit Begeisterung zu, da es hörte, wie er Lazarus in Bethanien von den Toten auferweckt hatte. Auch Kinder jubelten Christus zu und winkten ihm mit Palmzweigen.
Da wir Serben keine Palmen haben, empfangen wir Christus an diesem Tag mit Zweigen des Weidenbaums. Deshalb heißt dieser Feiertag bei uns Vrbica - die Palmprozession (vrba = die Weide). Vrbica und Cveti werden zum Schluss des Osterfastens gefeiert, eine Woche vor Ostern.
Wann war das heilige Abendmahl?
Christus versammelte seine Aprostel in einem Zimmer in Jerusalem am Heiligen und Großen Donnerstag (serbisch: Veliki Cetvrtak) und feierte mit ihnen das heilige Abendmahl. Während dieses heiligen Abendmahls vollzog der Herr das größte Wunder: Er verwandelte das Brot in seinen Leib und den Wein in sein Blut. Dann erteilte er allen seinen Aposteln die heilige Kommunion. Aber einer von ihnen, der Geldgierige, genannt Judas Iskariot, war vom Teufel besessen. Er ging hinaus und verriet Christus, um dreißig Silbermünzen zu bekommen.
Was hat Christus während des heiligen Abendmahls gesagt, als er das Brot segnete?
Christus sprach zu seinen Aposteln (und zu allen christlichen Gläubigen aller Zeiten): "Nehmet, esset." Und auch: "Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis".
Was hat Christus während des heiligen Abendmahls gesagt, als er den Kelch mit dem Wein segnete?
Er sprach: "Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Neuen Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden"
Wie heißt das heilige Sakrament, das Christus während des heiligen Abendmahls festgelegt hat?
Es heißt das heilige Sakrament der heiligen Kommunion (des heiligen Abendmahls) oder Eucharistie. Es war und ist für immer der Mittelpunkt und das Herz aller göttlichen Sakramente in der Kirche. Es gibt kein christliches Leben ohne das heilige Abendmahl des Leibes und Blutes Christi des Herrn. Jene, die sich mit Würde vom Leib und vom Blut Christi ernähren, sichern sich die Unsterblichkeit und das ewige Leben. Durch die heilige Kommunion erneuern wir immer wieder unsere Gemeinschaft mit dem Herrn Christus, sowohl als Einzelne als auch als Volk Gottes.
Die Göttliche Liturgie, während der wir die heilige Kommunion empfangen, ist die Verlängerung dieses ersten heiligen Abendmahles. Auf die heilige Kommunion bereiten sich die Christen mit Fasten der Seele und des Körpers vor, durch das Ablegen der Beichte und durch inbrünstige Buße. Sie bitten den immer anwesenden Christus, sie zu "Mitteilnehmern am heiligen Abendmahl" zu machen. Und sie versprechen ihm, dass sie ihm den "verräterischen Kuss wie Judas" nicht geben werden.
Was hat Christus den Aposteln im Garten von Gethsemane vor dem Heiligen und Großen Freitag gesagt?
Da die Apostel schläfrig waren, sagte Christus zu ihnen: "Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach."
Was hat Christus zu Judas, dem Verräter, gesagt seinem verräterischen Kuss?
Er sagte zu ihm: "Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss?"
Wie ist Judas, der Verräter, gestorben?
Judas hat sich erhängt. Als er eingesehen hat, dass er den Gerechten verraten hatte, fiel er in Verzweiflung, anstatt seine Tat zu bereuen.
Wie oft hat Petrus Christus verleugnet?
Im Laufe einer Nacht hat Petrus Christus dreimal verleugnet, aber er hat es danach bereut und bitter geweint. Deshalb hat ihn der Herr nach der Auferstehung dreimal gefragt: "Simon, Sohn des Jonas, hast du mich lieb?", und nachdem dieser seine Liebe bestätigte, gab ihm Christus die Würde des Apostels zurück.
Welche waren die letzten Worte des gekreuzigten Christus auf dem Kreuz?
Die letzten Worte des gekreuzigten Christus waren Worte der Liebe und des Vergebens auch für diejenigen, die ihn gekreuzigt haben: "Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! " Und auch: "Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!"
Wer hat Christus geholfen, das Kreuz bis Golgatha zu tragen?
Das war Simon von Kyrene.
Wer hat den toten Körper Christi vom Kreuz abgenommen?
Seinen Körper haben zwei seiner heimlichen Jünger, Joseph aus Arimathäa und Nikodemus, ein jüdischer Ratsherr, vom Kreuz abgenommen.
Was ist passiert, als Christus am Kreuz verschied?
Als der Herr seinen Geist aufgab, riss der Vorhang im Tempel in zwei Stücke, von oben bis unten; die Erde erbebte, die Sonne verdunkelte sich, Gräber taten sich auf und einige Verstorbene aus der Umgebung Jerusalems kamen zurück von den Toten. Das bedeutet, dass selbst der Tod Christi eine Wirkung gegen den Tod und eine Wirkung zur Auferweckung hatte und dass Christus am Heiligen und Großen Freitag durch seinen Tod den Tod besiegt hat. Die Seele Christi stieg damals in den Hades (die Unterwelt) hinab, den Ort, an dem der Satan die verstorbenen Seelen im Dunkeln hielt, von Adam und Eva bis zum heiligen Johannes dem Täufer. Christus predigte diesen Seelen die frohe Botschaft der Erlösung, er zerschlug die Fesseln der Hölle und befreite die
Urahnen Adam und Eva und alle gestorbenen menschlichen Seelen, die ihn als ihren Herrn und Erlöser empfunden hatten. Die Kraft seiner Auferstehung hat den Hades, die Erde und den Himmel erschüttert. Deshalb ist Ostern der fröhlichste Feiertag. Dann grüßen wir mit: "Hristos voskrese!" ("Christus ist auferstanden!") und erwidern den Gruß mit: "Vaistinu voskrese!" ("Er ist wahrlich auferstanden!'").
Wer hat als erster erfahren, dass Christus von den Toten auferstanden ist?
Von Gottes Geschöpfen sahen als erste die Engel Gottes die Auferstehung Christi. Ein lichtstrahlender Engel wälzte den Stein vom Grab weg, sagte den myrontragenden Frauen, dass Christus schon auferstanden war, und zeigte ihnen das leere Grab. Danach hat Maria von Magdala den Herrn gesehen, der auferstanden war.
Nach kirchlicher mündlicher Überlieferung meldete und offenbarte sich Christus eigentlich zuerst der allerheiligsten Gottesmutter, um ihr als Mutter eine Freude zu machen, da sie am meisten gelitten hatte, als sie ihren Sohn, der an das Kreuz geschlagen war, so sehen musste. Die heiligen Evangelisten haben dieses absichtlich nicht niedergeschrieben, damit nicht jemand sagen könnte, dass die allerheiligste und immerwährende Jungfrau in ihrer mütterlichen Trauer die Auferstehung ihres Sohnes erfunden hätte.
Wie oft ist der Herr nach der Auferstehung, von Ostern bis Christi Himmelfahrt, seinen Jüngern erschienen?
Der Herr ist nach der Auferstehung elfmal erschienen. Besonders wichtig ist die Offenbarung vor dem ungläubigen Apostel Thomas, der seine Auferstehung bezweifelt hatte. Als er ihn berührte und die Finger an seine Wunden legte, rief er: "Mein Herr und mein Gott!". Und der Herr sagte ihm darauf: "Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!" Diese Nachprüfung der Auferstehung Christi durch Thomas ist eine Warnung an alle Zweifelnden bis zum Ende der Zeit und der Welt, dass Christus tatsächlich auferstanden ist.
Was hat Christus den Aposteln am vierzigsten Tag nach der Auferstehung gesagt, bevor er in den Himmel auffuhr?
Am Tage seiner Himmelfahrt (dieser Tag heißt bei uns Spasovdan
- Tag des Heilands) sagte Christus den Aposteln: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."
Durch seine Taufe im Fluss Jordan und mit diesem letzten Gebot hat der Herr für die Welt das heilige Sakrament der Taufe eingesetzt - welches auch das Sakrament der Erleuchtung heißt -, durch die man Mitglied der Kirche wird und ohne die es keine Erlösung gibt. Im Evangelium ist für die Taufe das Wort "vaptizma" verwendet, was "Untertauchen" (serbisch: pogrunavanje) bedeutet.
Jener, der im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wird, wird dreimal völlig ins Wasser eingetaucht; als Zeichen des Sterbens des alten Menschen, des sündigen, des zerfallenden, der nach Lüsten des Leibes und in der Dunkelheit des Unwissens lebt; und als Zeichen der Geburt eines neuen Menschen, der nach dem Bild Jenes, der ihn geschaffen hat, erneuert worden ist und der durch die Erleuchtung der Vernunft und durch die Frömmigkeit begnadet wird, durch das Einziehen des Heiligen Geistes in ihn. Der Untergetauchte (der Getaufte) stirbt mit Christus, damit er zusammen mit Christus auferstehen kann.
Indem er zum Sakrament der Taufe mit aufrichtigem Glauben und mit Buße tritt, wird der Neugetaufte von der Erbsünde befreit, die die menschliche Natur vergiftet und geschwächt hat; er säubert sich durch die göttliche Kraft auch von seinen eigenen Sünden, zieht Christus an und bekommt die Fähigkeit, die göttliche Vollkommenheit und das ewige Leben zu erwerben.
Durch die Taufe tritt man in die Kirche ein, in den gottmenschlichen Organismus, dessen Haupt Christus ist. Wenn das Kind getauft wird, bekennen seine Eltern und der Taufpate den Glauben und versprechen vor Gott und vor seiner heiligen Kirche, dass sie es im Glauben erziehen und in das chrstliche Leben einführen werden.
Wenn eine erwachsene Person getauft wird, ist es ihre Pflicht, mit Hilfe der Priester und anderer christlicher Gläubiger die Sakramente des Glaubens kennen zu lernen, ihr Leben bis zu diesem Augenblick zu bereuen und erst dann zur heilten Taufe zu treten. Wenn nicht auf diese Art und Weise gehandlet wird, wird diese Person das Wasser empfangen, aber der gotischehe Geist wird in diese Person nicht einziehen. Das bedeutet: Diese Person wird auch weiterhin ein Sklave des Geistes der Lüge, des Geistes des Götzendienstes, des Geistes der Begierde und jeglicher Unreinheit bleiben.
Die wahre Taufe wird durch das völlige Untertauchen vollzogen; durch das Untertauchen des Körpers ins Wasser und der Seele ins Geheimnis des neuen, unsterblichen Lebens in Jesus Christus, unserem Herrn, durch die Kraft des Heiligen Geistes. Deshalb hat der Herr sie "die Taufe mit Wasser und Geist" genannt. Es ist Sünde, eine Taufe nur durch Bespritzen durchzufuhren sowie diejenigen zu taufen, die sich nicht durch den Glauben und die Buße vorbereitet haben.
Was ist am Pfingsttag (serbisch: Pedesetnica, Trojicin dan, Duhov dan) geschehen?
Nach der Himmelfahrt Christi kehrten die Apostel in die Stadt Jerusalem zurück und waren dort alle ununterbrochen im Gebet, zusammen mit den frommen Frauen und mit Maria, der Mutter von Jesus, und seinen Brüdern, den Söhnen des gerechten Joseph aus der ersten Ehe. Als fünfzig Tage nach der Auferstehung
Christi vergangen waren, begann ein Brausen vom Himmel, während sie wie eine Seele zusammen beim Gebet waren, wie das Wehen eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie alle saßen. Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer und setzten sich auf einen jeden von ihnen. So wurden sie vom Heiligen Geist erfüllt und durch ihn erleuchtet und begannen, Christus, der auferstanden und in den Himmel gefahren war, in verschiedenen Sprachen zu predigen.
So erfüllte sich die Verheißung Christi, das er sie nicht als Waisen zurücklassen wird, sondern dass er ihnen den Geist, den Tröster senden wird, der sie in jegliche Wahrheit einweihen wird. Deshalb wird dieser Tag auch der Tag des Geistes (serbisch: Duhov dan) genannt. Er wird auch der Tag der Dreifaltigkeit (serbisch: Trojicin dan) genannt, da es der Höhepunkt der Offenbarung der heiligen Dreifaltigkeit, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, gewesen ist. Bis zu diesem Augenblick wußte man nicht, daß auch der Heilige Geist Gott ist, wie der Vater und der Sohn.
Pfingsten ist auch der Tag der vollkommenen Geburt der Kirche Christi. Von diesem Tag an gingen die Apostel, erfüllt mit der Kraft des Heiligen Geistes, in die ganze Welt, um das Evangelium Christi allen Menschen und allen Geschöpfen zu predigen. Seitdem ist auch das Leben der Kirche ein ununterbrochenes Pfingsten (serbisch: Pedesetnica), beziehungsweise das Ausgießen des Heiligen Geistes auf alle Geschöpfe. Seitdem erlebt auch jeder Christ sein Pfingsten durch das heilige Sakrament der Myronsalbung.
Der Neugetaufte empfängt durch die Salbung mit dem heiligen Myron gnadenspendende Gaben: Er empfängt "das Siegel der Gabe des Heiligen Geistes", so wie es die heiligen Apostel am Tage des Geistes empfangen haben. Nur diejenigen, die getauft und mit Myron gesalbt sind, können die heilige Kommunion und andere heilige Sakramente empfangen; nur solche können ein wahrlich geistiges Leben führen und das volle Maß der Fülle Christi erreichen.
Die Herabkunft des Heiligen Wer hat das irdische Leben Christi
Was ist die Kirche und was sind ihre Eigenschaften?
Die Kirche ist das allumfassende Geheimnis der Welt und des Lebens. Nach den Worten des heiligen Gregor von Nyssa war schon die Schöpfung der Welt geheimnisvoller Anfang des Entstehens der Kirche; durch die Wirkung und die Gegenwart des ewigen Wortes (des Sinnes) Gottes in ihr. Diese Wirkung und Gegenwart ist noch ausdrücklicher sichtbar in der Entstehung des Menschen als wortbegabtes (vernunftbegabtes) Wesen durch die Kraft des Geistes Gottes; ebenso in der ständigen göttlichen Vorsehung über den Menschen und die Welt, besonders über das auserwählte Volk Gottes. Als jedoch die Fülle der Zeiten kam, sandte Gott dieses sein ewiges Wort, seinen eingeborenen Sohn, um durch ihn und in ihm der Welt und den Menschen die Rettung zu schenken, die Vollendung und die Fülle des Lebens. Durch seine Menschwerdung und durch das ganze gottmenschliche Werk ist die Kirche Gottes endgültig geformt und begründet worden. Sie ist sein Leib und er ihr ewiges Haupt. Und so wie die heilige Dreifaltigkeit ein Gott ist, und unser Heiland Jesus Christus einer ist, so ist auch die Kirche Gottes einig, heilig, allumfassend und apostolisch. Alle Geschöpfe und alle Wesen sind aufgerufen zu dieser einen Kirche zu gehören, damit wir durch sie und in ihr wahrhaftig "in jenem Wachsen, der das Haupt ist, Jesus Christus" (Eph 4,15).
Wie fängt die Geschichte der Kirche an?
Die Geschichte der heiligen Kirche fängt mit der Predigt und mit dem Leiden der Apostel an. Ihre ersten heiligen Seiten sind in der "Apostelgeschichte" beschrieben worden (sie ist vom heiligen Evangelisten Lukas geschrieben worden, dem ersten Ikonenmaler - er hat die Ikone der allerheiligsten Gottesmutter mit dem Kind Jesus gemalt). In der Apostelgeschichte wurde auch das Martyrium des heiligen Erzdiakons Stefan und des Apostels Jakobus, des Bruders von Johannes des Theologen, für Christus beschrieben.
Seit jenen Zeiten bis heute und bis zum Ende der Zeit und der Welt ist das Blut der Märtyrer der Samen für neue Christen gewesen und geblieben. Die Geschichte der Kirche, die mit der Herabkunft des Heiligen Geistes und der Apostelgeschichte begonnen hat, wurde durch Aufzeichnungen von zahllosen Lebensläufen und Glaubenstaten der Heiligen und der Märtyrer durch die Jahrhunderte hindurch fortgesetzt.
Die Geschichte der Kirche und das Evangelium Christi werden auch heute aufgezeichnet, und sie werden bis zum Ende der Zeit und der Welt aufgezeichnet. Aber sie werden nicht mit Feder und Tinte geschrieben, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes, der durch Glauben, Taten und Selbstaufopferung die wiedergeborenen und erleuchteten Seelen vereinigt.
Wo werden außer in der "Apostelgeschichte" noch das Predigen, das Wirken und die Lehre der heiligen Apostel sowie die Gründung der ersten christlichen Gemeinden beschrieben?
Über all das berichten uns die Briefe der heiligen Apostel, insbesondere die vierzehn Briefe des Apostels Paulus. Er war zuerst ein Verfolger der Christen, und als Christus, der Herr, ihm auf dem Weg nach Damaskus erschienen ist, wurde er zu einem der größten Prediger der guten Botschaft Christi aller Zeiten. Briefe haben uns auch der Apostel Petrus (zwei), der Apostel Johannes (drei Briefe und die Offenbarung des Johannes) und der Apostel Jakobus hinterlassen. Alle diese Briefe sind organischer Teil des Neuen Testaments und die Fortsetzung der vier Evangelien, in denen das Leben des Herrn Christus beschrieben worden ist.
Wer hat die Predigt und das Wirken der heiligen Apostel in der Welt fortgesetzt?
Ihre Nachfolger, die Bischöfe, die Presbyter (Priester) und Diakone, haben es fortgesetzt. Wo immer sie auch neue kirchliche Gemeinden gründeten, haben die Apostel die Bischöfe als ihre Nachfolger durch Handauflegung geweiht, und diese taten es später mit den Presbytern und Diakonen als ihren Mithelfern. Das ist die Hierarchie der Kirche.
Sie stammt vom Herrn Christus selbst und vom Heiligen Geist, der auf die Apostel herabgekommen war. Die Apostel gaben an ihre Nachfolger das weiter, was sie vom Herrn erhalten hatten: denselben Glauben, dieselbe Taufe, dieselben heiligen Sakramente, dasselbe Leben nach Gott.
Ihre Nachfolger gaben es durch Handauflegung (durch das heilige Sakrament des Priestertums) an ihre Nachfolger weiter, und sie wiederum an ihre, und so wird die apostolische 'Sukzession durch diese ununterbrochene Nachfolge bis heute fortgesetzt und wird sich auf diese Art und Weise bis zum Ende der Welt und der Zeit fortsetzen.
Das Priestertum (die Priester) predigt, es bewahrt den orthodoxen Glauben und vollzieht die heiligen Sakramente. Ohne sie kann es keine Kirche geben, denn ohne sie kann die Kirche ihren heilbringenden Dienst nicht leisten.
Die Predigt der Apostel über Christus und seine heiligen Taten setzen alle Christen fort. Alle Christen sind aufgerufen, Apostel Christi zu sein, das Salz und das Licht der Erde zu sein, Zeugen Christi zu sein - durch ihr Wort, durch ihre Taten und, sollte es notwendig sein, auch durch ihr Märtyrerblut. Denn das Volk Gottes ist der Hüter des orthodoxen Glaubens, sollte die hohe Hierarchie ihre Aufgabe nicht erfüllen.
Die Auswahl und die Weihe in die orthodoxe Hierarchie kommen von oben herab, vom Himmel. Christus hat persönlich die zwölf Apostel ausgewählt. Sie haben später die ersten Bischöfe ausgewählt und bischöfliche Konzile haben neue Bischöfe ausgewählt. Eigentlich ruft Christus durch den Heiligen Geist auch weiterhin seine Auserwählten zum Dienst der Apostel - über die bischöflichen Konzile. Das heißt, dass die Orthodoxe Kirche das eine Prinzip der heiligen Dreifaltigkeit ist, das Reich Gottes auf der Erde.
Wir sollten auch dies sofort erwähnen: Unser König und unser Gott Jesus Christus war auf der Erde ein Arbeiter, ein Zimmermann. Er kam vom Himmel herab, um uns von allen Komplexen zu befreien: vom allerfürchterlichsten Komplex der Todesangst durch seine Auferstehung bis zum allerlächerlichsten Komplex der Angst vor den Schulzeugnissen, und zwar durch sein Erweisen der Liebe gegenüber allen, denn jeder Mensch ist ein unersetzbares Unikat, ungeachtet der Stufe seiner Ausbildung oder Nicht-Ausbildung.
Im Gegensatz zur Orthodoxen Kirche wird die Wahl in den Demokratien von unten durchgeführt, nach der Mehrheit der Wähler. Die Masse wählt ihren Delegierten und erhebt ihn in den Sessel des Parlaments oder in die Regierung.
Was ist das heilige Sakrament der Buße (der Beichte)?
Die Priester haben auch die Gabe erhalten, die Gläubigen zu heilen, die an Gewissensbissen leiden und die vor Gott und vor den Engeln bereuen. Die Buße ist das heilige Sakrament, während dessen ein Christ seine Sünden vor dem Priester beichtet und durch ihn eine unsichtbare Vergebung der Sünden vom Herrn Jesus Christus selbst erhält, von der Kirche selbst, denn jede Sünde ist eine Sünde gegen Gott, gegen die Kirche, gegen die Menschen und gegen alle Wesen. Ohne die Beichte gibt es keine richtige Buße und ohne die Buße gibt es keine Erlösung.
Das Sakrament der Buße wurde vom Herrn nach der Auferstehung eingesetzt, als er seinen Jüngern sagte: "Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten". Da werden jene Sünden verziehen, die nach der Taufe begangen worden sind.
Der Herr gab seinen Jüngern und ihren Nachfolgern die Gnade der Vergebung der Sünden und des Heilens der geistigen und körperlichen Schwächen auch durch das heilige Sakrament der Krankenölung. Schon die Apostel haben nach dem Gebot Christi "die Kranken mit Öl gesalbt". Auf diese Art und Weise tut es die Kirche auch heute noch: Priester lesen Gebete und Abschnitte aus dem Neuen Testament, segnen das Öl und salben damit siebenmal den Kranken im Namen des Herrn, und der Herr heilt ihn von der geistigen Schwäche - der Sünde - und von der körperlichen Schwäche - der Krankheit -, nach dem Maß des Glaubens und der Inbrünstigkeit des Gebets.
Hat der Herr seiner Kirche über die Apostel noch andere heilige Sakramente gegeben?
Normalerweise sagen wir, dass es in der Kirche sieben heilige Sakramente gibt, denn die Zahl sieben ist eine Bezeichnung für die Vollkommenheit. Doch die heiligen Sakramente in der Kirche sind unzählig. Alles in der Kirche ist heiliges Sakrament, ihr ganzes gnaden volles, gottmenschliches Leben.
Auch die gnadengebende Wasserweihe ist heiliges Sakrament, und der Ritus der Mönchstonsur und die Weihe der Kirche oder der Ikone, die Weihe des Hauses, des Brunnens und die Weihe einer jeden Sache. Jedes Gebet ist auch ein heiliges Sakrament, denn durch dieses Gebet kommt auf uns und auf unsere Gaben und auf die Wesen dieselbe göttliche Kraft herab, dieselbe Gnade des Heiligen Geistes. Jeder, auch der nicht hörbare Anruf des Heiligen Geistes und jede Begegnung mit ihm geht in das heilige Sakrament der Anteilhabe an Christus über, das ein unbeschreibliches und ein unaussprechliches Allsakrament des Lebens und des Universums ist.
Was ist die heilige Überlieferung (Tradition)?
Die Apostel haben nicht alles niedergeschrieben, was der Herr sagte. Denn nach den Worten des geistliliches Christi, des Evangelisten Johannes, heißt es: Wenn alles jenes aufgeschrieben werden sollte, was Jesus getan hat, hätte es in der ganzen Welt nicht genug Raum gegeben, um alle diese geschriebenen Bücher dorthin zu stellen. Viele Sachen und Geheimnise haben die Apostel mündlich überliefert und sie auf ,,,, aufbewahrt, und das wurde als die heilige Überlieferung m.- h von einer Generation an die nächste überliefert.
So wurde zum Beispiel der Brauch aufbewahrt, dass man sich während des Gebets nach Osten wendet, dann auch das Zeichen des Kreuzes, die Verehrung der Ikonen und Ähnliches.
Die Bibel (die Heilige Schrift) ist die niedageschriebene, und die heilige Überlieferung ist die nicht nieder'-:u'!ebene heilige Offenbarung. Die heilige Überlieferune . - vr.Wesenheit des
Heiligen Geistes in allen Generatione: :„T <. - odoxen Gläubigen bis zum Ende der Welt und der Zeit, ungea^ .; ihrer Anzahl. Es ist die Frucht der geheimnisvollen Zusammenarbeit des Heiligen Geistes mit den geisttragenden Menschen. MT d-<ser lebendigen und lebensschöpfenden heiligen Üb. „-fer - ::e sowohl das geschriebene Wort Gottes und die nicht niedergeschriebene Erfahrung der heiligen Menschen zum Inhalt hat, wird ein besonderes Zeugnis in den Werken der heiligen Väter der Kirche, in den kanonischen Regeln der Kirche, in den Beschlüssen der Ökumenischen Konzile und der von ihnen bestätigten lokalen Konzile der Kirche gegeben.
Wer waren die ersten Verfolger der Christen?
Das waren jüdische Oberpriester und Fürsten, die an Christus als Gott und Herrn und verheißenen Erlöser nicht geglaubt haben. Bald danach wurden die Christen auch von Heiden verfolgt, die von römischen Kaisern angeführt waren. Römische Kaiser haben von den Christen verlangt, mehrere Götter und auch sie selbst wie Götter anzubeten. Die Christen wollten niemand anderen als Christus, den einzig wahren Gott, anbeten. Deshalb wurden sie wilden Tieren vorgeworfen, gefoltert, gekreuzigt und getötet.
Diese fürchterliche Verfolgung der Christen hat bis zum heiligen Kaiser Konstantin gedauert, der durch das Edikt von Mailand die Freiheit für den christlichen Glauben angeordnet hat (im Jahre 313).
Dann fängt die neue Periode des Lebens der Kirche Christi an, die tausend Jahre dauerte. Der Name Christi wird im Osten wie im Westen sowie im Norden und im Süden gepredigt. Viele Völker sind während dieser Periode in den christlichen Glauben eingetreten. Trotz Schwierigkeiten von innen und von außen, die nie aufgehört haben, hat die Kirche wunderbare Früchte hervorgebracht und das Himmelreich mit unzähligen Heiligen, Asketen, Märtyrern, mit wunderbaren schriftstellerischen Werken, prachtvollen Kirchen, Ikonen und Fresken bereichert.
Was sind die Ökumenischen Konzile?
Das sind Versammlungen der heiligen Väter (Bischöfe) und gelehrter Theologen aus der ganzen christlichen Welt, in denen man über die Grundfragen des Glaubens und des Lebens der Kirche diskutiert hat. Die Kirchenväter, Bischöfe der Kirche, haben während dieser Versammlungen den orthodoxen Glauben vor häretischen Irrtümern und vor falschen Lehren verteidigt.
Als die Verfolgung der Kirche von außen aufgehört hat, sind die inneren Feinde der Kirche aufgetaucht, die falschen Lehrer (genannt: Häretiker), die versucht haben, die eine, heilige, allumfassende und apostolische Kirche und die Vollkommenheit der Wahrheit in ihr zu zerstören. Die Kirche hat diese Häretiker während der Ökumenischen Konzile verurteilt.
Neben diesen allgemeinen Versammlungen gab es auch lokale, regionale Konzile. Sie wurden von einzelnen lokalen Kirchen einberufen. Beschlüsse vieler von diesen Versammlungen wurden später auf den Ökumenischen Konzilen als allgemein gültig für die ganze Kirche anerkannt. Die Ökumenischen Konzile waren und sind die höchste Macht und Führung in der Orthodoxen Kirche geblieben.
Welche war die erste Versammlung in der Geschichte der Kirche?
Die erste Versammlung wurde zu den Zeiten der Apostel in der heiligen Stadt Jerusalem einberufen (im Jahre 51). Sie heißt das Apostelkonzil. Während dieser Versammlung sind die Apostel, die durch den Heiligen Geist inspiriert waren, zu dem Beschluss gekommen, dass die Beschneidung keine Pflicht ist für diejenigen, die aus dem Heidentum kommen und wünschen, getauft zu werden. Von ihnen wird nur verlangt, dass sie sich von Götzenopfern, von Blut und von Ersticktem so wie der Unzucht enthalten.
Der Beschluss des Apostelkonzils fängt mit den Worten an: "Denn es gefallt dem Heiligen Geist und uns". Dieses bedeutet, dass die Kirche nur dann frei von Fehlern ist, wenn sie dem Heiligen Geist treu ist und wenn sie gemeinsam und übereinstimmend zu ihren Beschlüssen kommt.
Wie viele Ökumenische Konzile hat es gegeben und welche Beschlüsse wurden von ihnen getroffen?
Es hat sieben Ökumenische Konzile gegeben."Es hat viel mehr lokale Konzile gegeben, und zwar bis zu den heutigen Tagen (die Beschlüsse einiger der lokalen Konzile, sowohl der früheren als auch der späteren, haben eine universelle Bedeutung, schon allein durch die Tatsache, dass sie von der ganzen Orthodoxen Kirche als ihre eigenen akzeptiert worden sind).
Während des Ersten und des Zweiten Ökumenischen Konzils, das in Nizäa (im Jahre 325) bzw. in Konstantinopel (im Jahre 381) stattgefunden hat, haben die heiligen Väter im Kampf gegen Arius und gegen die Feinde des heiligen Geistes ein kurzes Glaubensbekenntnis zusammengefasst, das Credo genannt wird und das wir auch heute noch während jeder Göttlichen Liturgie lesen und singen.
Während des Dritten Ökumenischen Konzils (im Jahre 431 in Ephesus) haben die heiligen Väter bezeugt, dass die allerheiligste und immerwährende Jungfrau Maria tatsächlich Gottesmutter ist, da sie Gott im menschlichen Körper geboren hat. Sie bekennen, zusammen mit den heiligen Aposteln und allen Heiligen, ein und denselben Christus, den Gottessohn, den Einziggeborenen, vom Vater vor aller Zeit geboren und vom Heiligen Geist und der allerheiligsten und immerwährenden Jungfrau in der Zeit geboren.
Während des Fünften und des Sechsten Ökumenischen Konzils haben die gottweisen Väter den Glauben vor den Monotheleten verteidigt und das Gleiche wie alle Konzile vor ihnen bezeugt: dass der Gottmensch vollkommener Gott und vollkommener Mensch ist, dass er in zwei Naturen existiert, und zwar mit zwei Willen und zwei Energien, der göttlichen und der menschlichen. Das sieht man in dem Garten von Gethsemane, wo Christus erschütternd bittet: "Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!". Da kam auch der menschliche Wille in Christus zum Ausdruck. Denn der Mensch möchte nach seinem freien Willen natürlich nicht sterben.
Das Siebte Ökumenische Konzil (im Jahre 787) hat dieselbe Wahrheit über den Herrn Christus und über seine Menschwerdung bestätigt, aber diesmal durch die Verteidigung der Verehrung der heiligen Ikonen: zuerst die Verehrung seiner Ikone, dann auch die anderer Ikonen, der Ikone der allerheiligsten Gottesmutter, der Ikonen der Engel und der Ikonen von allen Heiligen.
Ikonenbekämpfer haben behauptet, dass die Verehrung der Ikonen eine Rückkehr in die Götzendienerei sei. Die heiligen Väter haben jedoch erklärt und gezeigt, dass die Christen nicht das Holz, auf dem die Ikonen gemalt sind, anbeten und verehren und auch nicht die Farben, mit denen sie gemalt sind. Über die Ikone drücken sie ihre Verehrung und ihre Liebe zum Urbild und, zu jenen Persönlichkeiten aus, die auf diesen Ikonen gemalt sind.
Die Ikonen sind das Evangelium in Farben, die Glaubenslehre für die Augen. Durch sie wird das menschliche Auge erleuchtet und die Schönheit des Gottesbildes aufgedeckt. Sie sind, und das ist das Wichtigste dabei, ein Zeugnis, dass Gott tatsächlich Mensch geworden ist, damit der Mensch vom Teufel, von der Sünde und von dem Tode gerettet und endlich Gott der Gnade nach werden kann. Durch die Verehrung und durch das Küssen von heiligen Ikonen zeigen wir vor Christus und den Heiligen, in denen Gott innewohnt, unsere Verehrung. So sehen wir auf den Ikonen, wie "wunderbar Gott in seinen Heiligen isf.
Die Ikonen sind die Fahne der Orthodoxen Kirche, das Erkennungszeichen gegenüber allen nicht-orthodoxen Christen und allen Religionen. Deshalb zeigen alle diejenigen, die die heiligen Ikonen nicht verehren, dass sie den Geist der Heiligen Schrift nicht kennen und dass sie, insgeheim oder öffentlich, nicht daran glauben, dass Gott Mensch geworden ist.
Nur dürfen die Ikonen nicht auf irgendeine Art und Weise gemalt werden: Sie müssen im Sinne des Evangeliums und im Einklang mit der Jahrhunderte langen Erfahrung und mit der Art des Malens von heiligen Ikonenmalern der Orthodoxen Kirche gemalt werden (die im orthodoxen Byzanz, im Serbien der Nemanjici, im orthodoxen Russland und anderswo bestätigt und ausgearbeitet worden ist).
Hat es noch andere Ökumenische Konzile gegeben?
Viele nehmen, und zwar nicht ohne Grund, als ein Ökumenisches Konzil auch jenes Konzil an, das in Konstantinopel zu der Zeit des heiligen Photios, des Patriarchen von Konstantinopel, im Jahre 867 abgehalten wurde. Während dieses Konzils wurde die falsche westliche Lehre verurteilt, die im Westen auch in das Glaubensbekenntnis eingefügt worden ist, dass der Heilige Geist vom Vater "und vom Sohn" (das heißt: Filioque) hervorgeht. Diese nachträgliche Eintragung wurde später einer der Hauptgründe, warum sich die Römisch-katholische Kirche von der Einen, Heiligen, Allumfassenden und Apostolischen Orthodoxen Kirche getrennt hat.
Ökumenischen Charakter haben auch die Beschlüsse des hesychastischen Konzils, das ebenso in Konstantinopel abgehalten wurde (im Jahre 1351). Während dieses Konzils wurde die von Gott inspirierte Glaubenslehre der Kirche verteidigt, die über das ewige Licht von Berg Tabor spricht, beziehungsweise über die ewigen göttlichen Energien, mit denen der Dreifaltige Gott in der Geschichte der Welt und des Menschen tatsächlich anwesend ist.
Indem sie den wahren Glauben gegen die Häretiker, die Anhänger des Balaam, verteidigt haben und Zeugnisse über die Wahrhaftigkeit der Unterschiede zwischen dem göttlichen Wesen und der göttlichen Energie hervorgebracht haben, haben die Väter dieses Konzils, angeführt vom heiligen Gregorius Palamas, die ganze Offenbarung und die jahrhundertelange gnadenvolle Erfahrung der Kirche verteidigt, ebenso die Möglichkeit der wahren Einigung zwischen Gott und dem Menschen. Auf diese Art und Weise haben sie die einzige Hoffnung für den Menschen verteidigt sowie die Möglichkeit seines endlosen Wachsens durch die ewige und ungeschaffene göttliche Gnade.
Die Beschlüsse dieses Konzils scheinen der Höhepunkt und die Schlussfolgerung der Beschlüsse aller Ökumenischen und aller lokalen Konzile bis zu diesem Augenblick zu sein. Sie eröffnen der ganzen geschaffenen Welt und dem Menschen die ewigen Grundlagen und die ewigen Horizonte für die nicht geschaffene Schönheit in der Kirche, die einer gottmenschlichen und geisttragenden Werkstatt der Erlösung und Vergöttlichung sowie der Verklärung vom Berg Tabor gleicht.
Warum kann es nur eine Kirche geben?
Die Einheit der Kirche folgt unvermeidlich aus der Einheit der Person des Gottmenschen Christus als ihres Hauptes. Die Kirche ist der Leib Christi, und der kann nur einer und unteilbar sein. Alle ihre Mitglieder, die von ein und derselben Gnade des Heiligen Geistes durch die heiligen Sakramente und durch die heiligen Tugenden in einer organischen Einheit umfasst werden, bilden einen Leib und bekennen einen Glauben, der sie einander und der allerheiligsten Dreifaltigkeit näher bringt. Daher ist die Spaltung der Kirche eine unmögliche Angelegenheit. Die Spaltung der Kirche ist nie geschehen und kann auch nie geschehen.
Es gab und es wird nur Abtrennungen von der Kirche geben. Von der einen unteilbaren Kirche Christi haben sich zu verschiedenen Zeiten verschiedene Häretiker und Schismatiker abgetrennt und sind dann von ihr abgefallen. Dadurch haben sie aufgehört, Mitglieder der Kirche zu sein. So sind zuerst die Gnostiker abgefallen, dann die Anhänger des Häretikers Arius, dann die Kämpfer gegen den Heiligen Geist, dann die Monophysiten, dann die Ikonenbekämpfer, dann die Barlaamiten, dann die Messalianer und viele andere.
Wann und warum hat sich das Römische Patriarchat von der Orthodoxen Kirche abgetrennt?
Zur Trennung des Römischen Patriarchats von der Orthodoxen Kirche kam es im 11. Jahrhundert (im Jahre 1054). Bis dahin gehörte nicht nur der Osten, sondern auch der Westen zur Einen, Heiligen, Allumfassenden und Apostolischen Kirche Christi. Der Grund für die Trennung des Römischen Patriarchats war die Einführung verschiedener Neuerungen in die Glaubenslehre der unzertrennbaren Kirche im Westen (Filioque, der universelle päpstliche Primat und die Unfehlbarkeit des Papstes, die Inquisition und die Ablässe, die geschaffene Gnade, das Fegefeuer, die Abschaffung der Epiklese [Anrufung des Heiligen Geistes in der Göttlichen Liturgie], später die Einführung neuer unorthodoxer Dogmen über die allerheiligste Gottesmutter, die Abschaffung des Fastens usw.).
Im 16. Jahrhundert haben sich die Protestanten von der Römischkatholischen Kirche getrennt. Sie sind im Laufe der Zeit zu vielen kirchlichen Gemeinschaften und Sekten zerfallen.
Die Kluft zwischen dem orthodoxen Glauben und dem des lateinischen Westens vertiefte sich besonders nach dem Andrang der Kreuzritter in den Osten, zu Anfang des 13. Jahrhunderts und durch die Gründung des Lateinischen Kaiserreiches in Konstantinopel (im Jahre 1204). Die westlichen Eroberer haben viele heilige Stätten im Osten geschändet. Sie haben sogar unsere heiligen Gaben im Kelch mit den Füßen zertreten. Danach hat sich die jahrhundertelange geschwisterliche Liebe, die als Verbindung der Einheit galt, abgekühlt.
Welche waren die Hauptzentren der christlichen Ökumene im Laufe des ersten Millenniums der Kirchengeschichte?
Das waren jene lokalen Kirchen, die von den Aposteln gegründet worden waren. Die wichtigsten unter ihnen waren die folgenden: der Sitz von Jerusalem und der von Alexandrien, die Kirche von Antiochien, die Römische Kirche sowie die Apostolische Kirche von Konstantinopel. Lange Zeit hatte der Römische Bischof einen Ehrenvorrang unter allen anderen Kirchen. Als sich jedoch das Römische Patriarchat abgetrennt hat, haben die vier unzertrennbaren orthodoxen Patriarchate gemeinsam neue, lokale Orthodoxe Kirchen geschaffen. Seit den Zeiten des Kaisers Konstantins hat die Kirche von Konstantinopel eine besondere Bedeutung erworben, da Konstantinopel der Sitz des großen Römisch-Byzantinischen Reiches war. Konstantinopel hat im Laufe der Zeit viele benachbarte Völker, insbesondere die slawischen, geistig geboren und sie durch das Licht des Evangeliums erleuchtet und aufgeklärt.
Wer waren die heiligen Brüder Kyrill und Methodius?
Sie waren slawische Lehrer, Erleuchter und Aufklärer. Der heilige Patriarch Photios entsandte sie zum Fürsten Rastislav von Mähren, um den Slawen das Evangelium zu predigen. Sie haben das slawische Alphabet geschaffen und das Evangelium und andere heilige Schriften in die altslawische Sprache übersetzt.
Sie wurden von deutschen lateinischen Priestern verfolgt, die behaupteten, dass das Evangelium nur in Hebräisch, Griechisch und Latein gepredigt werden darf. Die vertriebenen Jünger von Kyrill und Methodius haben in Ohrid ein geistliches Zentrum und eine Schule gegründet. Von dort verbreitete sich die christliche Lehre zu allen slawischen Völkern. Die wichtigsten Schüler der heiligen Brüder waren die sogenannten Fünf-an-der-Zahl-Apostel: der heilige Kliment von Ohrid, Naum, Sava, Gorazd und Angelarije.
Wann wurden die Serben im orthodoxen Glauben getauft?
Sie haben den Glauben zur Zeit des Fürsten Mutimir (im Jahre 867) angenommen. Zu seiner Zeit ist es zur ersten Taufe (Bekehrung) der Serben gekommen. Danach haben Kyrill und Methodius und ihre Schüler einen großen erleuchtenden und aufklärenden Einfluss ausgeübt. Der erste Märtyrer aus unserem Geschlecht war der heilige König Jovan Vladimir, dessen Heiligen Gebeine in Elbasan (Albanien) ruhen.
Wer hat das Wirken der heiligen Brüder und ihrer Schüler fortgesetzt?
Ihr Werk haben drei furchtlose Einsiedler fortgesetzt: der ehrwürdige Jovan von Rila, Gavril von Lesnovo, Prohor von Pcinja und nach ihnen auch der ehrwürdige Joakim von Ostrogor. Mit ihrem Wirken und Leben haben sie den orthodoxen Glauben bei den Serben und den Bulgaren sowie bei anderen balkanischen Stämmen gefestigt.
Wer sind die Mönche und was war ihre Rolle in der Kirchengeschichte?
Die Mönche sind Menschen, die allem Vergänglichen wegen Christus und wegen des Himmelreiches entsagen. Sie bemühen sich, Christus bis zu ihrem Tode treu zu sein. Die ersten jungfräulich Lebenden waren der heilige Johannes der Täufer, die allerheiligste und immerwährende Jungfrau Maria, der heilige Evangelist Johannes und der Apostel Paulus.
Jungfräulich Lebende hat es in der Kirche immer gegeben. Sie haben das Gelübde des Gehorsams, der Keuschheit und der Armut abgelegt und legen es auch heute ab. Eine große Anzahl von Mönchen und Nonnen tauchte im 4. Jahrhundert auf, zuerst im Osten und danach in allen Gebieten, die das Christentum erreicht hat.
Besonders berühmt waren die Zentren der Mönche in der Wüste von Ägypten, in Palästina, auf dem Berg Sinai, im Süden Italiens, in Gallien (heutiges Frankreich). Aus diesen Zentren haben sie sich im Osten bis nach Indien, im Westen bis zu den Britischen Inseln und im Norden bis zum Eismeer ausgedehnt. Von ihnen stammen große Lehrer und Erleuchter der Kirche: der Ehrwürdige Antonius und Pachomius der Große, der heilige Frumentius, der Erleuchter Äthiopiens, die heilige Nina (Nono), die apostelgleiche
Erleuchterin der Georgier, der heilige Alban, der Erleuchter von Britannien, der heilige Martin von Tours, der Schutzpatron von Frankreich, die heiligen Kyrill und Methodius, die Erleuchter und Aufklärer der Slawen, und viele andere.
Was ist der Berg Athos?
Der Berg Athos befindet sich auf einer Halbinsel im heutigen Griechenland, wo seit mehr als tausend Jahren Mönche -Einsiedler (Eremiten) - in Gemeinschaften (Koinobien) und Einsiedlerhütten leben. Der Berg Athos wird auch "Garten der Gottesmutter" genannt: Nach der Überlieferung hat die allerheiligste Gottesmutter selbst diesen Ort gesegnet, damit auf ihm Mönche, die ihr ähnlich sind, leben können. Der Berg Athos ist eine Feuerstätte der Tugenden und der Glaubenstaten sowie ein unauslöschbarer Lichtturm des orthodoxen Glaubens. Der erste große Einsiedler auf dem Berg Athos war der ehrwürdige Peter und der erste Gründer eines Koinobiten-Klosters war der ehrwürdige Athanasius der Hagiorite.
Nach diesem Kloster wurden auf dem Berg Athos noch zwanzig große Klöster errichtet. Unter ihnen gibt es, neben den griechischen, auch ein georgisches, ein russisches, ein serbisches, ein bulgarisches und ein rumänisches Kloster. In ihnen führten Menschen aus verschiedenen Nationalitäten ein strenges, asketisches Leben, von denen viele später Apostel und Erleuchter ihrer Völker geworden sind (der ehrwürdige Georgius und Johannes, die Gründer des georgischen Klosters von Iveron, Antonius und Theodosius von Petscher - der Russen; der heilige Simeon und Sava, die Erleuchter und Aufklärer der Serben; der ehrwürdige Nikodemus von Tisma - der Rumänen, und in der letzten Zeit der apostelgleiche Kosmas von Ätiolien für die Griechen usw.).
Wer war der erste Erzbischof und der größte Erleuchter und Aufklärer der Serben?
Das war der heilige Sava, der Sohn des Großfürsten Serbiens, Simeon Nemanje. Vor seiner Mönchstonsur hieß der heilige Sava Rastko Nemanjic. Als junger Mann flüchtete er zum Berg Athos und wurde Mönch mit dem Namen Sava. Er hat viel gebetet und lernte von den Mönchen vom Berg Athos die geistige Weisheit und den Eifer der Apostel. Deshalb hat ihn Gott gewürdigt, der geistige Vater, Erleuchter und Aufklärer aller Serben sowie das erste Oberhaupt der Orthodoxen Kirche in Serbien zu werden.
Wer war Stefan Nemanja?
Stefan Nemanja war der Gründer des vereinigten serbischen Staates. Vor seinem Tode hat er auf den Thron und die Krone verzichtet und ist Mönch geworden. Er bekam den Mönchsnamen Simeon und zog sich auf den Berg Athos zu seinem Sohn, dem Mönch Sava, zurück. Er ließ das Kloster Studenica bauen und danach auf dem Berg Athos zusammen mit dem heiligen Sava auch das Kloster Hilandar gründen. Hilandar war im Mittelalter die höchste geistliche Schule und die Pflanzstätte von großen serbischen Heiligen, Erleuchtern und Aufklärern sowie von Schriftstellern, Künstlern, Übersetzern und Abschreibern.
Nach dem Tode des ehrwürdigen Simeon (im Jahre 1200) floss aus seinen Reliquien (des unzerfallbaren Körpers) das heilige Myron (wohlriechendes Öl). Deshalb wird er der ehrwürdige Simeon Mirotocivi genannt. Seine Reliquien hat der heilige Sava von Hilandar nach Studenica gebracht, und über sie hat er die verfeindeten Brüder König Stefan den Erstgekrönten und Vukan ausgesöhnt. Der heilige Simeon und der heilige Sava sind die Begründer der heiligen Dynastie der Nemanjic's, die alle serbischen Länder ein und für alle Male als Gabe Gott Christus dargebracht und sie mit wunderbaren Klöstern und prachtvollen Kirchen geschmückt hat.
Wo ist der heilige Sava gestorben?
Nach der zweiten Wallfahrt zu den heiligen Stätten und zum Herrengrab in Jerusalem besuchte der heilige Sava den bulgarischen Kaiser in der Stadt Trnovo. Er hat den orthodoxen Bulgaren geholfen, ihr Patriarchat zu erneuern. Er starb dort in Trnovo am 12. Januar (einige meinen am 13. oder am 14. Januar) 1236. Der Nachfolger des heiligen Sava, der Erzbischof Arsenije von Sirmium hat zusammen mit dem serbischen König Vladislav die Reliquien des heiligen Sava aus Bulgarien nach Serbien gebracht und sie im Kloster Mileseva beerdigt. Man sieht, dass der heilige Sava wie ein richtiger Apostel Christi auch die geistliche Betreuung anderer Völker und Kirchen übernommen hat und nicht nur die Betreuung der Serbischen Kirche und des serbischen Volkes. Deshalb verehren ihn mit Recht alle orthodoxen Christen als apostelgleichen Lehrer, Erleuchter und Aufklärer.
Was ist mit den Reliquien des heiligen Sava geschehen?
Der Türke Sinan-Pascha, der über die Serben verärgert war, weil sie sich zum Aufstand gegen die Türken erhoben haben, hat befohlen, dass die wundertätigen Reliquien des heiligen Sava aus dem Kloster Mileseva nach Belgrad gebracht und auf dem Berg Vracar verbrannt werden. Auf dem Vracar, wo die Reliquien des heiligen Sava verbrannt worden sind, wurde ursprünglich zu seinen Ehren und zum Ruhm Gottes eine kleine Kirche errichtet. An der gleichen Stelle hat man mit dem Bau einer neuen, prachtvollen Kirche begonnen. In der Zwischenzeit, nämlich von 1985 bis 1991, hat die Serbische Kirche den Weiterbau der riesigen Gedenkkirche fortgesetzt und sogar die Kuppel errichtet. Die von innen unvollendete Kirche ist bereits ein Bestandteil des Stadtbilds Belgrads geworden. Gelegentlich wird hier die Heilige Liturgie zelebriert. Dieser Ort ist heilig, da er die Asche der verbrannten Reliquien des heiligen Sava aufbewahrt.
Wann wurde das erste Serbische Patriarchat gegründet?
Es wurde im Jahre 1346 gegründet. Kaiser Dusan hat in Skopje, der damaligen Hauptstadt des Serbischen Reiches, ein Konzil aller serbischen Bischöfe einberufen. Während dieses Konzils wurde der Sitz des serbischen Erzbischofs auf die Stufe eines Patriarchats gehoben. Der erste serbische'Patriarch war der heilige Joanikije. Seine Reliquien befinden sich im Kloster des Patriarchats in Pec.
Was ist das Vermächtnis von Kosovo?
In der Schlacht auf dem Kosovo (Amselfeld) gegen die Türken im Jahre 1389 hat sich der Großmärtyrer König Lazar zusammen mit seinem christusliebenden Heer für das himmlische Reich anstelle des vergänglichen irdischen Reiches entschieden.
"Lasset uns mit Christus sterben, damit wir ewig leben können", ruft er er seine Kämpfer auf. Denn "das irdische Reich ist nur von kurzer Dauer und das Himmelreich für immerdar und ewig". Diese Entscheidung von Kosovo und dieses Vermächtnis ist eine Gemeinschaft, die das serbische Volk mit Gott geschlossen und die es mit seinem Märtyrerblut besiegelt hat. Auf dem Kosovo hat das serbische Volk mit seiner Seele zugunsten des Himmelreichs ja gesagt, und das war und ist seine einzig wahre Entscheidung geblieben. Seit diesen Zeiten sind alle Serben, die diesem Vermächtnis treu sind, Volk Gottes - das Volk Christi des Neuen Testaments geworden, das himmlische Serbien, ein Bestandteil des neuen, göttlichen Israels.
Wer waren die Neo-Märtyrer?
Das sind alle jene zahlreiche Christen, die zu den Zeiten der Knechtschaft unter den Türken, seit dem Fall von Konstantinopel (im Jahre 1453), ihr Märtyrerblut für Christus den Herrn und sein Himmlisches Reich vergossen haben. Viele von solchen Neumärtyrern gab es auch unter den orthodoxen Serben. Die bekanntesten unter ihnen sind der heilige worpe von Kratovo, die heilige Zlata von Meglen, der heilige Igumen (Abt) Paisije und der Diakon Avakum. Die beiden letztgenannten wurden von den Türken beim Stambol-Tor in Belgrad aufgespießt (im Jahre 1814).
Warum hat der heilige Märtyrer Avakum von Belgrad, während er zur Hinrichtungsstätte ging, dieses Lied gesungen: "Es gibt keinen schöneren Glauben als den christlichen, der Serbe gehört Christus - er erfreut sich des Todes!"?
Weil keiner der orthodoxen Christen sich vor dem Tode fürchtet. Sie glauben, dass Christus auferstanden ist und dass die Seele durch den Glauben unsterblich ist, so dass die Peiniger nur den Körper ermorden können, aber nicht die Seele. Wenn jemand für Christus und für den orthodoxen Glauben eines Heldentodes stirbt, wird seine Seele mit dem Märtyrerkranz im Himmlischen Reich gekrönt und bereitet auch für seinen Körper die Auferstehung und das ewige Leben vor. Einen solchen furchtlosen Glauben hatten auch der Erstmärtyrer Erzdiakon Stefan und der serbische König Lazar und seine Ritter in der Schlacht auf dem Kosovo sowie viele zahllose Helden des Glaubens überall in der Welt, bis zu den heutigen Tagen. Das Lied des Diakons Avakums ist das Lied aller wahren Christen aller Zeiten bis zum Ende der Zeit und der Welt. Es ist auch der Titel dieses Buches.
Wer waren die Koljivaren?
Das war eine geistige Erneuerungsbewegung, die auf dem heiligen Berg Athos als ein Spross der heiligen Hesychasten-Mönche entstanden ist. Diese Bewegung ist zu Ende des 18. Jahrhunderts und zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden. Die Anführer dieser Bewegung waren der heilige Makarius von Korinth, der ehrwürdige Nikodemus vom Berg Athos und andere. Sie verlangten die Treue gegenüber der heiligen Überlieferung der Kirche, eine Erneuerung des geistigen Lebens sowie die Rückkehr zu den Kirchenvätern. Sie verlangten, gemäß dem jahrhundertelangen Brauch der Kirche, dass das Volk so oft wie möglich am heiligen Abendmahl teilnehmen sollte und nicht nur einmal oder viermal jährlich, wie es leider schon damals unter den orthodoxen Christen üblich geworden war.
Der heilige Nikodemus der Hagiorite veröffentlichte als erster das Buch "Dobrotoljublje" ("Philokalia" - "Die Liebe zum Guten"), in dem die auserlesensten geistlichen Schriften der heiligen Kirchenväter und der Glaubenshelden der Kirche gesammelt sind. Durch diese Schriften offenbaren sich vor uns die größten Sakramente des geistigen Lebens und des Gebetslebens, und durch diese Schriften werden wir auf den richtigen Weg der geistigen Vervollkommnung durch die Befreiung von den Begierden und durch den Erwerb von heiligen Tugenden hingewiesen.
Nachdem er vom Berg Athos schied, versammelte der heilige Paisije im Kloster Niamets (Rumänien) Tausende von Mönchen um sich. Auf diese Art hat diese Bewegung einen großen geistigen Einfluss auf die orthodoxen Rumänen ausgeübt und über die Schüler von Paisije und über "Dobrotoljublje" auch auf das ganze orthodoxe Russland im 19. Jahrhundert. Die Koljivaren haben dem orthodoxen Volk auch viele andere Werke der heiligen Väter beigebracht und überliefert.
Die Koljivaren bekamen ihren Namen von ihren Gegnern nach einem Brauch, der auf Serbisch "koljiva" heißt. Es ist ein Gebetsdienst für die Toten. Da sie sich an die ursprünglichen Regeln der Kirche gehalten haben, dass ein Parastos für die Toten nur an Samstagen vollzogen werden darf und nicht auch an Sonntagen, da der Sonntag der Tag der Freude und der Auferstehung Christi ist, haben die Koljivaren ihren Namen bekommen. Die Christen bezeugen an jedem Sonntag mit der Göttlichen Liturgie und mit ihrer gemeinsamen Freude die Auferstehung Christi, und diese Freude über diesen Feiertag, der über allen Feiertagen steht, darf durch nichts verdunkelt werden.
Wie würde sonst die Welt glauben, dass Christus tatsächlich auferstanden ist, wenn die Christen an diesem Tag trauern würden? Und die Christen sind schon seit den Zeiten der Myronträgerinnen bis zum Ende der Zeit und der Welt vor allem und über alles die Zeugen der Auferstehung Christi. Denn nach den Worten des heiligen Apostels Paulus: "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich."
Der ehrwürdige Serafim von Sarov, der große Heilige der Orthodoxen Kirche in Russland im 19. Jahrhundert, der indirekt der gleichen Erneuerungsbewegung angehört, war erfüllt mit dem Heiligen Geist und mit der Freude über die Auferstehung und hatte nur einen Gruß für seine Besucher, zu jeder Zeit des Tages und der Nacht: "Hristos voskrese, radosti moja\" ("Christus ist auferstanden, oh du meine Freude")
Wie war die Lage der Serbischen Kirche nach der Schlacht von Kosovo?
Nach der Schlacht von Kosovo war die Lage des serbischen Volkes und der Kirche sehr schwer, wie auch bei den anderen orthodoxen Völkern des Balkan. Doch trotz dieser Schwierigkeiten kam es zu einer wunderbaren Erneuerung in Serbien zu den Zeiten der heiligen Herrscher aus dem Hause der Lazarevic und der Brankovic der tragischen Nachfolger der Dynastie der Nemanjic. Nach dem Fall von Despotovina (im Jahre 1459) wurde die Serbische Kirche dem Sitz des Erzbischofs von Ohrid unterstellt, dem Griechen aus dem Phanar vorstanden.
Erst dem Patriarchen Makarije Sokolovic (dem Bruder des türkischen Großwesirs Mehmed Sokolovic) ist es gelungen, die Unabhängigkeit des Patriarchats in Pec zu erneuern und es wieder herzustellen (im Jahre 1557). Damals hat das Patriarchat in Pec alle orthodoxen Serben von Skopje und von Montenegro bis Vojvodina, Slawonien, Kroatien und Dalmatien geistig vereinigt.
Später hatten die Serben, die nach dem Großen Auszug in Österreich lebten, ihre Metropolie in Karlovci und die Serben, die unter den Türken lebten, hatten ihren Patriarchen in Pec. Da die Serben sich nicht unterwerfen ließen und da sie sich immer wieder zu neuen Aufständen erhoben, haben die Türken das Patriarchat in Pec (im Jahre 1766) abgeschafft. Die Serbische Kirche, mit Ausnahme des Metropoliten von Montenegro und der Metropolie von Karlovci, wurde dann wieder dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt. Diese Zustände dauerten in Serbien bis zur Befreiung von den Türken unter Karaporpe Petrovic und Milos Obrenovic.
Wann wurde das Serbische Patriarchat wiederhergestellt?
Es wurde im Jahre 1920 erneuert, als sich alle zerstückelten Gebiete der Serbischen Orthodoxen Kirche im Rahmen des neuen jugoslawischen Staates vereinigten. Der erste Patriarch des erneuerten Serbischen Patriarchats wurde der Metropolit von Serbien Dimitrije.
Ihm folgten Patriarch Varnava und Patriarch Gavrilo, den die Deutschen während des Krieges eingesperrt haben und der sich zum Ende des Krieges im berüchtigten Konzentrationslager Dachau zusammen mit Bischof Nikolaj befand. Patriarch Gavrilo wurde (im Jahre 1950) vom Patriarchen Vikentije gefolgt. Von 1958 bis 1990 stand an der Spitze der Serbischen Kirche Patriarch German.
Der heutige Patriarch ist Pavle (seit Dezember 1990). Der Titel des Serbischen Patriarchen lautet: Erzbischof von Pec, Metropolit von Beograd - Karlovci und Serbischer Patriarch. Er wird als Seine Heiligkeit aneesnrochen.
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Welche lokalen Orthodoxen Kirchen gibt es neben der Serbischen Kirche in der Welt heute?
Die Eine, Heilige, Allumfassende und Apostolische Orthodoxe Kirche ist heute auf allen Kontinenten anwesend, und durch ihre Anwesenheit und ihre apostolische Arbeit bezeugt sie das Evangelium vor allen Völkern und erfüllt damit das Gebot Christi: "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. "
Neben der Serbischen Kirche bestehen heute in der Welt auch folgende lokalen Orthodoxen Kirchen und Patriarchate: von Konstantinopel, von Alexandrien, von Antiochien, von Jerusalem, dann die Russische, die Bulgarische, die Rumänische, die Kirche von Georgien, die Kirche von Zypern, die Albanische, die Tschechische und Slowakische Kirche, die Polnische, die Finnische und die Japanische Kirche.
Millionen und Millionen von orthodoxen Gläubigen, die zu diesen Kirchen gehören, glauben an denselben Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, sie werden so getauft, wie sie glauben, sie haben Anteil am heiligen Abendmahl Christi zusammen mit den Aposteln, den Märtyrern und den Heiligen aller Zeiten, denn "Jesus Christus ist gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit" (Brief an die Hebräer, Kapitel 13, Vers 8).
Sie alle sind Teile eines und desselben Leibes des Gottmenschen Christus, sie stellen das gleiche auserwählte Gottesvolk dar. In diesem auserwählten Gottesvolk gibt es keine Unterschiede und darf es keine geben: "Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus." (Brief des Paulus an die Galater, Kapitel 3, Vers 28).
Was ist die orthodoxe Diaspora?
Das Wort "Diaspora" bedeutet "Zerstreuung". Die orthodoxe Diaspora besteht aus allen orthodoxen Gläubigen, die durch die ganze Welt verstreut und von ihren lokalen Mutterkirchen mehr oder weniger entfernt sind. Die zahlreichste orthodoxe Diaspora befindet sich heute auf dem amerikanischen Kontinent (sie hat etwa sechs Millionen orthodoxe Christen). Sehr zahlreich ist auch die Diaspora in den Ländern Westeuropas, dann in Kanada, in Afrika, in Asien und in Australien. Unter den orthodoxen Gläubigen in der Diaspora sind jene der russischen, der griechischen und der serbischen Abstammung die zahlreichsten.
Die serbische Kirche hat ihre Diözesen außerhalb der Grenzen unseres Landes, in Rumänien und in Ungarn, in Westeuropa, in Amerika und in Australien, sie hat je eine Gemeinde sogar in Afrika (Johannesburg) und in Neuseeland.
Die Anwesenheit der orthodoxen Diaspora beeinflusst auch die Völker wohltuend, unter denen und mit denen die orthodoxen Gläubigen zusammenleben. So gibt es heute viele Deutsche, Franzosen, Engländer, Amerikaner und andere, die den authentischen, ursprünglichen und den immer neuen Glauben ihrer Vorväter umarmt haben, denn auch sie waren einst orthodoxe Gläubige im Rahmen der Westkirche, bis zum 11. Jahrhundert. Auf diese Art und Weise, indem sie den orthodoxen Glauben annehmen, kehren sie eigentlich nur zurück zu sich selbst, zu ihrer tausend Jahre langen orthodoxen Vergangenheit, die später von nicht-orthodoxen Anschwemmungen verdunkelt wurde.
Welche Mission hat die Orthodoxe Kirche in der Welt heute?
Die Mission der Orthodoxen Kirche in der zeitgenössischen Welt ist gleich mit ihrer ursprünglichen Mission. Die Kirche ist heute aufgerufen, so wie immer, den reinen und unverdorbenen Glauben der Propheten Gottes, der Apostel und der Heiligen zu bewahren, die Fülle ihrer Wahrheit vor denen zu bezeugen, die diese Fülle des Glaubens aus verschiedenen Gründen in kleinerem oder größerem Ausmaß verloren haben, und unter alle Völker und alle Rassen zu gehen und sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen und sie zu belehren, sich an alles zu halten, was der Herr den Menschen befohlen hat.
Ist die Orthodoxe Kirche eine missionarische Kirche?
Die Kirche Christi ist von ihrer Natur her missionarisch. Wenn sie aufhören würde, missionarisch zu sein, würde sie aufhören, Kirche zu sein, wäre sie nur dem Namen nach am Leben und eigentlich tot: "Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot." (Offenbarung des Johannes, Kapitel 3, Vers 1).
Die Aufgabe und die Sendung der Kirche ist es, regelmäßig diejenigen Menschen und Völker zur Buße aufzurufen, die den Glauben Christi schon aufgenommen haben, damit sie "das Salz der Erde" und "das Licht der Welt" sein werden. Das ist ihre innere Sendung, die nie aufhören darf. Denn nach den Worten Christi selbst heißt es: "Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen". Christus ruft alle Christen aller Zeiten auf: "So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen" (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5, Vers 16).
Durch die Erfüllung dieser inneren Sendung legt die Kirche sichere Grundlagen in ihrer äußeren Mission, ohne die die Kirche genauso undenkbar wäre. Diese äußere Mission erfüllt die Kirche heute durch ihre gnadenvolle Anwesenheit in der Welt, durch ihre Diaspora und durch ihre kerygmatische Tätigkeit (Predigtamt) unter allen Völkern, die noch nicht erleuchtet worden sind vom Licht des Evangeliums Christi.
Hat die Orthodoxe Kirche heute ihre Missionare unter den nichtgetauften Völkern?
Die missionarische Tätigkeit der Kirche Christi in den ersten zehn Jahrhunderten ihrer Geschichte war groß, und nicht weniger groß war auch ihre predigende Tätigkeit in diesem Jahrtausend. Einen großen apostolischen Eifer hat im Mittelalter die Byzantinische Kirche gezeigt. Das Ergebnis dieses Eifers war unter anderem die Taufe der slawischen Völker.
In den neueren Zeiten hat das orthodoxe Russland diese apostolische Rolle übernommen. Sie hat große Erleuchter und Aufklärer gegeben. Nennen wir zuerst den heiligen Stefan von Perm, den Aufklärer des Permer Landes, das vom Unkraut des Heidentums bewachsen war (14. Jahrhundert).
Zu ungefähr gleicher Zeit predigten den orthodoxen Glauben im finnischen Land die ehrwürdigen Sergij und German, die Gründer des Klosters von Valamo (die Orthodoxe Finnische Kirche feiert sie als ihre Schutzpatrone). In vorigen Jahrhunderten hatte die Russische Kirche ihre Missionare in Sibirien und in China, unter den Eskimos im Fernen Norden und in Japan. Die bekanntesten Prediger des Evangeliums aus dieser Zeit waren der heilige Nikolaj Kassatkin, der Erleuchter Japans und der Gründer der Japanischen Kirche, und der ehrwürdige German von Alaska, der unter den Bewohnern der weit entfernten Aleuten (19. Jahrhundert) lebte und predigte. Der ehrwürdige German wurde zum Erleuchter von Alaska und Amerika erklärt (im Jahre 1970).
Zwischen den beiden Weltkriegen hatte auch die Serbische Kirche ihre Mission in der Tschechoslowakei, an deren Spitze Metropolit Josif und Vater Justin (Popovic) standen. Das Ergebnis dieser missionarischen Arbeit ist die heutige Orthodoxe Kirche der tschechischen Länder und der Slowakei.
Die Orthodoxe Kirche hat auch heute noch ihre Missionen und ihre Missionare in Korea sowie in Afrika - in Uganda, in Kenia, in Zaire, unter den Völkern der schwarzen Hautfarbe. In dieser gesegneten Arbeit bemühen sich besonders stark die Griechische Kirche und das Patriarchat von Alexandrien, unter deren geistliche Obhut der afrikanische Kontinent fällt.
Alle orthodoxen Christen haben die Pflicht, eifrig zu wirken und den Namen Christi überall und an jedem Ort mit Worten, mit Taten und mit ihrem Leben zu predigen. Wenn alle nicht imstande sind, in die fernen Länder zu gehen, um Christus allen denjenigen zu predigen, die ihn noch nicht kennen gelernt haben, sind sie doch zu einem alle fähig: täglich Gott anzubeten für alle diejenigen, die Gott auserwählt hatte, um die Herrlichkeit seines Namens unter jene Völker auszubreiten, die sich noch in der Dunkelheit der Unwissenheit befinden und darauf warten, dass sie vom Lichte des Evangeliums Christi bestrahlt werden.
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DAS GEBETSLEBEN DER KIRCHE UND DAS JÜNGSTE GERICHT
Was ist das Gebet?
Das Gebet ist der Inhalt des Lebens und das ganze Leben aller heiligen Engel im Himmel und aller Heiligen, aller Gerechten und aller Christen überhaupt auf der Erde. Es ist das Herz aller Tugenden, vor allem des Glaubens. Ohne Gebete gibt es keine wahre Liebe für Gott wie auch keine wahre Liebe für die Menschen. Ohne Gebete gibt es keine wahre Gotteserkenntnis und kein Verständnis der heiligen Geheimnisse des orthodoxen Glaubens. Ohne Gebete gibt es auch keine wahre Erkenntnis der Welt, in der wir leben, oder der Menschen, mit denen wir kommunizieren.
Deshalb ist das ganze Leben der Kirche ein ununterbrochenes Gebet und ein ununterbrochener Gottesdienst. Alle Wahrheiten des Glaubens, die wir bisher erörtert haben, offenbaren sich nur vor einer betenden Vernunft und vor einem reinen Herzen.
Wer ohne Gebet an das Geheimnis Gottes, das Geheimnis dieser göttlichen Welt und das Geheimnis des Lebens herantritt, wird nichts verstehen können. Denn nur das Gebet öffnet die Augen der Vernunft und nur durch das Gebet erhält man von Gott das Licht der Gotteserkenntnis. Deshalb sendet uns der heilige Apostel Paulus diese Botschaft: "Betet ohne Unterlass".
Was ist der orthodoxe Gottesdienst?
Der Gottesdienst ist das heilige Evangelium und die mündliche orthodoxe Überlieferung - nachgesungen in wunderbaren und lebensschöpfenden Liedern. Den ganzen Jahreskreis hat die Kirche geweiht und mit Gottesdiensten und Feiertagen erfüllt. Indem wir die Feiertage und die Heiligen feiern, erleben wir im Gebet und in der Tat ihre Gnade und ihre heiligen Tugenden. Der Glaube und das Leben nach Gott werden am besten durch den Gottesdienst gelernt. Die Heilige Schrift wird am tiefsten verstanden, wenn man sich ihr mit Gebet und im Rahmen des Gottesdienstes anschließt.
Welche sind die regelmäßigen täglichen Gottesdienste?
Die täglichen Gottesdienste der Kirche sind: die neunte Stunde, das Abendlob, das Spätabendlob, das Mitternachtslob, das Morgenlob zusammen mit der ersten Stunde, die dritte Stunde und die sechste Stunde.
Welcher ist der wichtigste Gottesdienst der Kirche?
Der wichtigste Gottesdienst ist die Göttliche (Heilige) Liturgie oder die Heilige Eucharistie. Sie ist das Herz und der Höhepunkt aller Gottesdienste und aller heiligen Sakramente der Kirche. Aus ihr entspringt alles, und zu ihr kehrt alles zurück. Denn sie typisiert den Heilsplan der göttlichen Erlösung und beschenkt uns mit dem Herrn selbst, durch die heilige Kommunion Seines Leibes und Seines Blutes.
Die Göttliche Liturgie wird an jedem Sonntag als dem Tag der Auferstehung Christi, an allen Feiertagen Christi, der aller-heiligsten Gottesmutter und der Heiligen gefeiert, und man kann sie auch jeden Tag zelebrieren (und sie wird auch so vollzogen, insbesondere in den Klöstern). Die Liturgie, die wir im Laufe des ganzen Jahres halten, hat der heilige Johannes Chrysostomos geschrieben. Es gibt auch die Göttliche Liturgie des heiligen Basilius des Großen (sie wird zehnmal im Jahr gefeiert) und die Göttliche Liturgie der vorgeweihten Gaben (sie wird nur im Laufe des großen Osterfastens zelebriert). An der Göttlichen Liturgie sollen alle anwesenden Christen teilnehmen und singen.
Welche Feiertage feiern die orthodoxen Christen?
Die orthodoxen Christen feiern die Feiertage, die den wahren Ereignissen aus der Geschichte der Erlösung gewidmet sind. Sie feiern die wunderbaren Ereignisse, die sich auf die Persönlichkeit und das Leben des Herrn Christi beziehen, sie gedenken der Erzengel und Engel, der allerheiligsten Gottesmutter und aller Heiligen, die mit ihren Taten und mit ihrem Leben den Gott verherrlicht haben. Daher gibt es die Feiertage des Herrn, der allerheiligsten Gottesmutter und der Heiligen.
Was ist die persönliche Gebetsregel?
Neben gemeinsamen Gottesdiensten und Feiertagen, an denen alle orthodoxen Gläubigen teilnehmen, gibt es auch die persönliche Gebetsregel eines jeden ein/einen Gläubigen. Diese Gebetsregel besteht aus Morgengebeten, die jeder Christ nach dem Aufstehen lesen soll, und aus Abendgebeten, die vor dem Schlafengehen gelesen werden. So fängt der Tag eines Christen mit einem Gebet an, und der Tag endet mit einem Gebet.
So opfert er sich und sein ganzes Leben Gott. Diese Gebete befinden sich im "Orthodoxen Gebetsbuch". Darin befindet sich auch die Gebetsregel, die jeder Christ vor und nach der heiligen Kommunion vorlesen soll, wie auch andere Gebete und die Akathiste, die besonders eifrige Christen im Laufe des Tages lesen. In christenfrommen serbischen Familien wurde diese Hausgebetsregel gemeinsam gelesen, und sie sollte auch heute gemeinsam gelesen werden, indem daran die Eltern und die Kinder teilnehmen. Auf diese Art und Weise verwandelt sich das Heim des Christen in einer "Hauskirche".
Was darf im Haus eines orthodoxen Christen überhaupt nicht fehlen?
Das orthodoxe Haus ist undenkbar ohne die Öllampe, die pflichtgemäß am Vorabend des Sonntags und eines jeden Feiertags brennen muss. Undenkbar ist das christliche Heim auch ohne die heiligen Ikonen. Ein Haus ohne Ikonen ist blind, ohne Fenster zum Himmel. Jedes Heim soll mindestens drei Ikonen haben: die Ikone von Christus dem Erlöser, die Ikone der allerheiligsten Gottesmutter und die Ikone des eigenen Hauspatronsfest.
Was darf ebenfalls überhaupt nicht in einem wahrlich orthodoxen Haus fehlen? Das Haus ist undenkbar ohne das allerheiligste Buch - die Heilige Schrift - und ohne das "Orthodoxe Gebetsbuch". Die Heilige Schrift ist die einzig wahre Grundlage aller christlichen Familien, weil sie das Wort Gottes ist und das Brot des Lebens. Deshalb soll man sie tagtäglich lesen und aus ihr den göttlichen Willen und die heiligen Tugenden lernen, die die Seelen und die Häuser mit dem Glauben, mit der Hoffnung und mit der gegenseitigen Liebe erfüllen.
Was sind die "Lebensgeschichten der Heiligen"?
Nach den Worten des Gottweisen Vaters Justin, des Schriftstellers und Übersetzers der "Lebensgeschichten der Heiligen" ins Serbische, sind die "Lebensgeschichten der Heiligen" nichts anderes als das Leben des Herrn Christi, das sich in jedem Heiligen wiederholt hat, im kleineren oder im größeren Ausmaß und in der einen oder in der anderen Form. Das ist das Leben des Herrn Christi, das durch die Heiligen fortgesetzt worden ist.
Die Biographien der Heiligen sind die Fortsetzung der Heiligen Schrift und der Apostelgeschichte. In ihnen befindet sich dasselbe Evangelium, dasselbe Leben, dieselbe Wahrheit, dieselbe Liebe, dieselbe "Kraft des Höchsten", derselbe Gott und derselbe Herr Jesus. In ihnen werden an konkreten Beispielen sichere Wege der Erlösung und der Verklärung gezeigt sowie alle Arten, auf die die menschliche Natur verschiedene Begierden und Sünden bewältigt. Deshalb sollen die orthodoxen Christen insbesondere diese Lebensgeschichten studieren und sich bemühen, an ihnen ein Beispiel für sich selbst zu nehmen. (Neben den 12 Bänden der "Lebensgeschichten der Heiligen" des Vaters Justin Popovic gibt es im Serbischen auch die zusammengefassten Biographien der Heiligen vom Erzbischof Nikolai Velimirovic unter dem Titel "Prolog von Ohrid").
Woher kommt das Fasten und was ist sein Zweck?
Das christliche Fasten hat eine Herkunft vom Herrn Christus. Der Herr selbst hat vierzig Tage gefastet, bevor er begann, seine Glaubenslehre zu predigen, genauso wie vor ihm auch der Prophet Moses und andere Propheten gefastet haben. Auch die Apostel haben gefastet, so wie alle orthodoxen Christen durch die Jahrhunderte. "Das Fasten hat allen Heiligen im Leben die Richtung zu Gott gezeigt", sagt der heilige Basilius der Große. Das erste göttliche Gebot im Paradies war das Gebet über das Fasten, das heißt über die Enthaltsamkeit. Daher war die erste Sünde des Menschen die Sünde gegen das Fasten. Genauso wie an der Sünde sowohl die Seele als auch der Körper beteiligt sind, ist es notwendig, dass beide an der Tugend und an der Befreiung von der Sünde teilnehmen. Der Zweck des Fastens ist die Reinigung des Körpers, die Stärkung des Willens, die Erhebung der Seele.
Durch das Fasten erinnern sich die Christen an die Leiden Christi für ihre Erlösung. Das wahre Fasten hat zwei Bestandteile, den körperlichen und den geistigen. Das Fasten besteht aus Enthaltsamkeit von Essen mit Fett und von übertriebenem Essen, aber vor allem aus Enthaltsamkeit von schlechten Gedanken, Wünschen und Handlungen. Das Fasten vervielfältigt die Liebe und das Gebet sowie die Bereitschaft zur Ausübung aller evangelischen Tugenden. Die Seele hat zwei Flügel, mit denen sie zum Himmel fliegt: das Fasten und das Gebet. Das Fasten ist die Arznei für alle geistigen und alle körperlichen Krankheiten, und es schützt vor jeder dämonischen Handlung.
Der Heiland selbst hatte gesagt: "Aber diese Art fährt nur aus durch Beten und Fasten". Durch das Fasten werden die Seele und der Körper vorbereitet, ein Tempel des Heiligen Geistes zu werden. Das wahre geistige Leben ist ohne Fasten undenkbar.
Es gibt Fastenzeiten, die mehrere Tage dauern (die große Fastenzeit vor Ostern, das Apostelfasten - die Fastenzeit vor dem Feiertag der heiligen Apostel Peter und Paul -, die Fastenzeit vor dem Entschlafen der allerheiligsten Gottesmutter und steten Jungfrau Maria und das Weihnachtsfasten), sowie Fasten, das einen Tag dauert (an jedem Mittwoch und an jedem Freitag außer in den fastenfreien Wochen, dann am Tag vor Theophanie [am 5. Januar], am Tag der Enthauptung des ehrwürdigen Johannes des Vorläufers [am 29. August] und am Tag der Kreuzerhöhung [am 14. September].
Warum wird das Vaterunser das Gebet des Herrn genannt?
Das Vaterunser wird das Gebet des Herrn genannt, da der Herr selbst die Apostel gelehrt hat, dieses Gebet zu beten. Der Herr hat in diesem Gebet auf geheimnisvolle Art den ganzen Glauben und alle Gebete zusammengefasst. Deshalb soll man mit dem Vaterunser aufstehen und schlafen gehen, mit ihm leben und mit ihm sterben.
DAS GEBET DES HERRN
Vater Unser im Himmel,
Geheiligt werde dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren
Schuldigern,
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von
dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in
Ewigkeit. Amen.
(Dieser Abschluss wird in der Kirche nur vom Priester gesprochen).
Was bedeutet "das tägliche Brot"?
Der heilige Cyprian versteht darunter das "überwirkliche" Brot, das heißt, etwas, was das Wesentlichste für die Christen ist: das Brot, ohne das es kein ewiges Leben gibt. Das bedeutet, dass hier damit vor allem die heilige Kommunion gemeint ist, beziehungsweise der Leib Christi als das Brot des Lebens. Also beten wir jeden Tag, um die heilige Kommunion zu bekommen, und nicht nur, um uns am einfachen irdischen Brot satt zu essen.
Der heilige Johannes Chrysostomos erklärt, dass "täglich" "notwendig" und "unentbehrlich" bedeutet, das alltägliche Brot, was wiederum darauf hinweist, dass die Christen zugleich Asketen und Glaubenshelden sein sollen. Diese beiden Deutungen schießen sich nicht gegenseitig aus, sondern sie erfüllen sich gegenseitig. Wir begehren zuerst, nach dem Befehl Christi, das Himmlische Reich, das sich im Leibe Christi befindet, und da uns Gott das himmlische Brot gibt, wird er uns auch die irdische Nahrung als Zugabe geben.
Man soll sich dieses gut merken: Zu Anfang des Vaterunsers bekennen wir die heilige Dreifaltigkeit - den Vater, der im Himmel ist, den Sohn, der sein heiliger Name ist, und sein Reich, den Heiligen Geist.
Welches andere Gebet soll alltäglich auf den Lippen eines Christen sein?
Jeder Christ soll so oft wie möglich den Gruß des Erzengels an die allerheiligste Gottesmutter sprechen.
GEGRÜSSET SEIST DU, MARIA, VOLL DER GNADE
Der Herr ist mit Dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, denn Du hast den Heiland unserer Seelen geboren.
Der orthodoxe Christ soll tagtäglich auswendig das Glaubensbekenntnis sprechen, das die Kirchenväter kurz zusammengefasst im Symbol von Nicäa-Konstantinopel ausgedrückt haben.
GLAUBENSBEKENNTNIS
Ich glaube an einen Gott, den Vater, den allherrschenden Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und alles Unsichtbaren.
Und an einen Herrn Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes, der aus dem Vater vor Ewigkeit geboren ist, Licht vom Licht, wahrer Gott von wahrem Gott, geboren, nicht erschaffen, gleichen Wesens mit dem Vater, durch den alles geworden ist.
Der wegen uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen ist und durch den Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau, Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist,
Der auch für uns unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist, gelitten hat und begraben wurde,
Am dritten Tage aber von den Toten auferstanden ist gemäß der Schrift
Und gen Himmel aufgefahren und sitzet zur Rechten des Vaters.
Von dort er kommen wird in Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten. Sein Reich wird kein Ende haben.
Und an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird und der durch die Propheten geredet hat;
Die eine Heilige allumfassende Apostolische Kirche; Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Ich erwarte die Auferstehung der Toten Und das künftige ewige Leben. Amen.
Was bedeuten die Worte: Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das künftige ewige Leben?
Schon der Prophet Hesekiel hatte die allgemeine Auferstehung der Toten prophezeit. Unter der Auferstehung der Toten versteht man die Auferstehung der menschlichen Seelen, denn ohne die Seele ist der Mensch kein voller Mensch. Obwohl die Seele unsterblich ist, kann sie ohne den Körper die Fülle des ewigen Lebens nicht bekommen. Seit Christus Mensch geworden ist, ist auch der menschliche Körper ein Heiligtum und der Tempel des Heiligen Geistes geworden. Die Bestätigung, dass auch unsere Seele hier auf der Erde auferstehen wird, ist die Auferstehung Christi von den Toten. Das Geheimnis der Unsterblichkeit der menschlichen Körper beweisen schon hier auch die Reliquien der Heiligen, die unverweslich sind, und zwar nicht durch ihre eigene Kraft oder durch Einbalsamierung, sondern durch die Kraft, die ihnen von Gott selbst gegeben wird. Deswegen sind die Reliquien wundertätig, denn in ihnen ist die wundertätige Kraft des Heiligen Geistes anwesend.
Was ist "der Jüngste Tag" oder "der Tag des Letzten Gerichts"?
Das ist der Tag, an dem die Geschichte der Welt und des Menschen beendet wird. Alles, was gelebt hat, und alles, was in der Zeit lebt, muss in diesen letzten Tag eingehen. An diesem Tag wird der Herr sein letztes Urteil über die ganze Geschichte der Welt und des Menschen, über alle Menschen insgesamt und über jeden einzelnen Menschen, aussprechen. Dann wird er, der einzige Menschenliebende, auf der vollkommenen Waage seiner Gerechtigkeit und seiner Liebe alle menschlichen Taten, alle menschlichen Gedanken, alle menschlichen Gefühle, alle menschlichen Wünsche und alle menschlichen Worte abwiegen.
Dann ist "vollendet das Geheimnis Gottes" (Offenbarung des Johannes, Kapitel 10, Vers 7) - über den Menschen, über die Schöpfung, über alle Geschöpfe, die bekannten und die unbekannten. Dann werden alle Guten und alles Gute die ewige Seligkeit und das Leben der zukünftigen Zeit im Himmlischen Reich erben und alle Bösen und alles Böse die ewige Hölle im Reich der rebellischen Engel, der reulosen Lästerer. Die Hölle -das ist die Ablehnung der göttlichen Liebe, ein Einschließen in sich selbst. Das ist die Sünde gegen die uneigennützige Liebe, die innerhalb der heiligen Dreifaltigkeit besteht. Denn in der heiligen
Dreifaltigkeit kann keine göttliche Person ohne zwei andere Personen bestehen. Alles in ihrer Liebe ist ihnen gemeinsam. Im dreifaltigen Gott gibt es kein Einschließen in sich selbst.
Dem gemäß kann man mit irdischen Sprachen das Paradies nicht beschreiben. Man kann es nur andeuten. Das Paradies ist die Teilnahme am Leben der göttlichen Dreifaltigkeit, zusammen mit allen Heiligen.
Was ist die Vergöttlichung des Menschen?
Die Vergöttlichung ist das Wachsen des Menschen in der Ebenbildlichkeit. Das ist die heilige Kommunion mit den ewigen Energien Gottes. Der heilige Athanasius von Alexandrien hat gesagt: "Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werden kann". Natürlich gibt es einen riesigen Unterschied zwischen Gott sein und Gott werden. Gott dem Wesen nach ist nur der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Das unerreichbare göttliche Wesen hat nur die heilige Dreifaltigkeit, und geschaffene Wesen können niemals wissen, was das Wesen Gottes selbst ist. Aber Gott wollte, dass jeder Mensch nach der Art des Seins und des Lebens Gott wird, was bedeutet Gott der Gnade nach (und nicht dem Wesen nach). Gott hat in sich ungeschaffene Energien: die göttliche Liebe, die Schönheit, die Weisheit, die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Heiligkeit...
Die Vergöttlichung des Menschen beginnt, wenn der Mensch in sein Herz wenigstens eine kleine Flamme vom ungeschaffenen Feuer der göttlichen Liebe aufnimmt, wenn er in seine Vernunft wenigstens ein Teilchen von der heiligen, göttlichen Schönheit aufnimmt, wenn er freiwillig in seinen Willen die göttlichen Befehle aufnimmt, wenn er in sein Gewissen die himmlische Musik der göttlichen Gnade und der göttlichen Gerechtigkeit aufnimmt, wenn er sein ganzes Wesen mit den heiligen Tugenden der göttlichen Wahrheit erfüllt.
Ein Mensch, der büßt, dem es gelingt, seine Begierden zu bewältigen und die Dämonen und ihre Gräueltaten zu besiegen -dieser Mensch hat begonnen, sich zu vergöttlichen. Er wird Gott ähnlich. Schon auf der Erde entwickelt er sich und wächst "aus einer Herrlichkeit in die andere" zum vollen Maß der Fülle Christi. Für einen solchen Menschen hat das Paradies schon hier auf der Erde begonnen, denn der Herr Christus sagte: "Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch".
Die Vergöttlichung beginnt hier auf der Erde und sie setzt sich in den Seelen der Heiligen bis zum Jüngsten Tag fort, aber sie hört nicht auf, sich auch nach dem Jüngsten Tag zu entwickeln. Denn nach den Worten des gottweisen Gregor von Nyssa hat die menschliche Vervollkommnung in Christus ein Ende - und zwar die Unendlichkeit.
Wer sind die Hesychasten?
Das sind die Eiferer des Glaubens, die sich bemüht haben, den Befehl des Apostels zu erfüllen: "Betet ohne Unterlass!". Die Hesychasten des Neuen Testaments (die Hesychasten des Gebets) halten den Propheten des Alten Testaments Elias für ihren ersten Lehrer. Als Prediger des ununterbrochenen Gebets im Neuen Testament hat sich der Apostel Paulus besonders ausgezeichnet. Er spricht vom Gebet in allen Formen, aber insbesondere vom ununterbrochenen Anrufen des Namens Christi, vor dem sich jede Generation, sowohl im Himmel als auch auf der Erde, beugen muss (Brief des Paulus an die Philipper, Kapitel 2, Vers 10).
Seit diesen Zeiten und durch die ganze Geschichte der Kirche hat es Christen gegeben, die sich bemüht haben, alle ihre Sorgen in eine einzige Sorge zusammenzufassen: wie sie den Herrn erfreuen und ununterbrochen mit ihm leben werden. Der Höhepunkt dieses Bemühens ist das Erreichen des Gebets ohne Unterlass, gemäß den Worten des heiligen Gregorius des Theologen: "Man soll mehr Gott anbeten als atmen". Und dieses heilige Werk ist eine Kunst über allen Künste und verlangt zuerst die Erfüllung aller Gebote Gottes.
Solche heiligen Menschen des Gebets hat es insbesondere unter den Einsiedlern in Ägypten, auf dem Berg Sinai, in Palästina und auf dem heiligen Berg Athos gegeben, aber auch unter den einfachsten Gläubigen in der Welt. Ein großer Befürworter des Hesychasmus war der heilige Johannes Klimakos (7. Jahrhundert).
Ein berühmter Hesychast des Gebetes im 11. Jahrhundert war der ehrwürdige Simeon der neue Theologe. Besonders bekannt sind die Hesychasten aus dem 14. Jahrhundert geworden, unter denen der ehrwürdige Gregor vom Sinai und der heilige Gregorius Palamas die bekanntesten waren.
Zu dieser Zeit haben viele Hesychasten, Jünger dieser beiden heiligen Menschen, auch in Serbien gelebt (der ehrwürdige Romil von Ravanica, der ehrwürdige Gregorius von der Gora und viele andere bekannte und unbekannte Hesychasten und Menschen des Gebetes, die "Sinaiten" genannt waren) und sich durch Glaubenstaten ausgezeichnet. Ein großer Hesychast des vorigen Jahrhunderts war der ehrwürdige Serafim von Sarov. Von den Menschen, die ihrer Lebensart nach so waren wie die wahren Hesychasten, hat es bei uns zu unseren Zeiten viele gegeben: die ehrwürdige Stefanida von Kosovo, Vater Georgius vom heiligen Berg Athos, gebürtig aus der Herzegowina, und Vater Justin von Celije.
Das beliebteste Gebet der Hesychasten aller Zeiten war das Gebet an den Herrn Jesus: "Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner, des Sünders (der Sünderin)". Dieses Gebet heißt auch "das Gebet der Vernunft" oder "das Gebet des Herzens", da es ununterbrochen in der Vernunft und im Herzen wiederholt wird. Der ehrwürdige Johannes Klimakos rät: "Ununterbrochenes Nennen und Gedenken Jesu sollte sich mit deinem Atmen vereinigen und dann wirst du den Nutzen des Hesychasmus fühlen". Wunderbare Botschaften über das Gebet dem Herrn Jesus enthält das Buch "Aufrichtige Bekenntnisse eines Pilgers an seinen geistigen Vater".
Wenn dich jemand bitten würde, mit wenigen Worten den gesamten orthodoxen Glauben zusammenzufassen, welche Worte sollten es sein?
Diese Worte sind die folgenden: CHRISTUS IST AUFERSTANDEN! (serbisch: HRISTOS VOSKRESE!) sowie der allerfreudigste Gegengruß auf diesen Ostergruß: ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN! (serbisch: VAISTINU VOSKRESE!). In diesen Worten befinden sich unser ganzer Glaube und unsere ganze und unzerstörbare Hoffnung.
Wenn du alle Gebete der Kirche und den gesamten Gottesdienst, alle Hilferufe und alle Wünsche in ein Gebet zusammenfassen möchtest - welches Gebet wäre das?
Dieses alles umfassende Gebet ist das Gebet an den Herrn Jesus Christus. Als erster hat es der fromme Zöllner im Tempel von Jerusalem ausgesprochen und nach ihm unzählige Christen aller Zeiten, insbesondere die großen Menschen des Gebets, die Hesychasten und die Glaubenshelden (Einsiedler). Auch wir sollen dieses Gebet beten, wenn möglich ununterbrochen. Dieses heilige wundertätige Gebet lautet: